Zika-Virus Reisen oder daheim bleiben?

Ist das Virus eine Gefahr für Reisende? Die Empfehlungen für die Zika-Gebiete widersprechen sich.

Von Berit Uhlmann

Ist das in Lateinamerika grassierende Zika-Virus eine Gefahr für Reisende? Brasiliens Regierung rät jedenfalls Schwangeren davon ab, die für August geplanten Olympischen Sommerspiele in Rio des Janeiro zu besuchen. Infizieren sich werdende Mütter mit dem Erreger, riskieren Sie im Extremfall womöglich eine schwere Schädel-Fehlbildung ihres Kindes. Brasiliens Hinweis steht in einer Reihe mit den Warnungen der Seuchenschutzbehörden Europas und der USA. Sie geht aber über die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO hinaus. Die Behörde hatte am Montagabend zwar den "internationalen Gesundheitsnotfall" ausgerufen, sich aber gegen Reise- und Handelsbeschränkungen ausgesprochen. Solche Restriktionen sind für die WHO heikel, schließlich könnten sie die Bereitschaft der Mitgliedsstaaten unterminieren, Krankheitsausbrüche rechtzeitig zu melden.

Der Notfall wird erklärt, wenn eine Krankheit sich so weit ausbreitet, dass sie auch für andere Staaten ein Gesundheitsrisiko darstellt und eine koordinierte internationale Reaktion erfordert. Im Falle von Zika geht es derzeit allerdings weniger um praktische Antworten als um die Aufklärung der Zusammenhänge. Noch ist nicht einmal klar, hinter wie vielen der etwa 4000 Verdachtsfälle in Brasilien tatsächlich die so genannte Mikrozephalie steckt. Ein kausaler Zusammenhang zwischen dem Virus und den zu kleinen Köpfen der Babys ist nicht nachgewiesen. Die WHO riet daher in erster Linie dazu, die Kriterien zur Erfassung der Fehlbildungen zu vereinheitlichen und die Ursachen zu klären. Die Gesundheitsbehörde im texanischen County Dallas meldete am Dienstag einen Fall, bei dem das Virus beim ungeschützten Sex übertragen worden sei.