Zika Globaler Seuchenalarm?

Überträgt das Zika-Virus: Eine Ägyptischen Tigermücke.

(Foto: Jeffrey Arguedas/dpa)

Ein Notfall-Gremium der WHO diskutiert über den Umgang mit dem Virus, das in 23 Ländern zirkuliert.

Von Berit Uhlmann

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat mit ihren Beratungen über das bereits in 23 Ländern zirkulierende Zika-Virus begonnen. Der Erreger steht im Verdacht, schwere Fehlbildungen bei Neugeborenen auszulösen. Eine Entscheidung darüber, ob ein internationaler Gesundheitsnotfall ausgerufen wird, stand bis zum Abend noch aus. Das 19-köpfige Notfall-Gremium wendet vier Kriterien an: Das Gesundheitsproblem muss ernst und unerwartet sein. Es muss das Risiko bestehen, dass es sich auf andere Staaten ausweitet und sich damit die Frage nach Reise- und Handelsbeschränkungen stellt. Doch gerade die Abschätzung der weiteren Ausbreitung scheint unter Experten strittig zu sein. Die Olympischen Sommerspiele in Brasilien könnten "einer Globalisierung des Virus" Vorschub leisten, warnt Dennis Tappe vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg. Jan Felix Drexler, Virologe an der Universität Bonn, vermutet dagegen, dass sich die Zika-Lage bis zu dem Sportereignis beruhigt hat, da die Bevölkerung bis dahin eine hohe Immunität erreicht haben könnte.

Ein weiteres Problem ist die Unsicherheit, ob der Erreger tatsächlich für die in Brasilien aufgetretenen Fehlbildungen der Babys verantwortlich ist. Dennoch bezeichnete Martin Grobusch, Tropenmediziner der Universität Amsterdam die Einberufung des Gremiums als "angemessen" und "nicht verfrüht". Der Notfall ist ein verhältnismäßig junges Instrument der Seuchenkontrolle. Die WHO fügte ihn erst 2005 ihren Regularien hinzu. Drei Mal wurde er seither ausgerufen: während der Schweinegrippe-Pandemie 2009, nach dem Wiedererstarken des in vielen Ländern bereits ausgerotteten Poliovirus 2014 und während der jüngsten Ebola-Epidemie in Westafrika. Für die Handhabung dieses Alarms wurde die WHO in der Vergangenheit stark kritisiert. Bei der Schweinegrippe wurde die Warnung als unnötig, im Falle von Ebola als verspätet erachtet.