Zeichen der Nikotinabhängigkeit Schon wenige Zigaretten täglich können süchtig machen

"Eigentlich brauche ich die Zigarette gar nicht": Viele Raucher unterschätzen ihre Abhängigkeit - und leiden unerwartet heftig beim Versuch, das Qualmen aufzugeben. Woran Sie den Grad Ihrer Sucht erkennen.

Von Nina Buschek

Rauchen macht glücklich - und zwar unmittelbar. Sieben bis acht Sekunden nach dem Zug an der Zigarette kommt das inhalierte Nikotin im Gehirn an und entfaltet eine ganze Reihe angenehmer Wirkungen. Es erhöht zum Beispiel die Aufmerksamkeit und schärft die Konzentration. Raucher haben gelernt: Eine Zigarette kann den Gemütszustand unmittelbar verändern. Sie kann beruhigen, wenn man angespannt ist, aber auch aufputschen, wenn gerade Energie fehlt. Und weil das Nikotin über die Lungen schnell in den Blutkreislauf gelangt, greift der Belohnungseffekt sofort.

Warum macht Nikotin abhängig?

Raucht man regelmäßig, gewöhnt sich der Körper an den Belohnungseffekt. Im zentralen Nervensystem entstehen zusätzliche Andockstellen für Nikotin. Bei starken Rauchern verklingt die Wirkung einer Zigarette in weniger als einer halben Stunde. Was folgt ist der Drang, sich die nächste anzuzünden. Bleibt die Nikotinzufuhr aus, drohen Entzugssymptome. Die Frustrationstoleranz sinkt, Ärger, Aggressivität, Angst und schlechte Stimmung machen sich breit, man wird unkonzentriert und unruhig, schläft schlecht und isst mehr.

Rauchen macht einerseits abhängig, weil das Nikotin so unmittelbar wirkt. Andererseits weil die Zigarette in der Hand durch klassische Konditionierungseffekte an bestimmte Situationen, Tätigkeiten oder Schlüsselreize gekoppelt wird. Belastungen im Beruf werden reflexartig weggeraucht. Das Glücksgefühl eines beschwipsten Ausgeh-Abends will sich nur noch mit Zigarette einstellen.

Das Suchtpotenzial von Nikotin ist vergleichbar mit Amphetaminen, Kokain oder Morphin. Um abhängig zu werden muss man nicht viel rauchen. Schon weniger als sechs Zigaretten pro Tag können zu viel sein.

Nicht alle Menschen sind gleichermaßen suchtgefährdet. Einmal spielt eine Rolle, wie schnell der Körper das Nikotin abbaut. Je rascher der Effekt der Zigarette abklingt, desto eher kommt der Wunsch, nachzulegen. Entscheidend ist auch, wie stark eine Person auf den Nikotineffekt anspricht. Ein depressiver Mensch, dessen Stimmung beim Rauchen spürbar steigt, hat ein höheres Risiko nikotinsüchtig zu werden, als jemand, der ohnehin glücklich und ausgeglichen ist.

Raucher unterschätzen sowohl ihre körperliche als auch die psychische Abhängigkeit von der Zigarette. Schätzungsweise ist etwa ein Drittel der Raucher sehr stark körperlich abhängig. Diese Menschen brauchen morgens schon in der ersten halben Stunde nach dem Aufstehen eine Zigarette und qualmen mindestens eine Schachtel pro Tag.

Doch auch wessen Nervensystem noch nicht auf Nikotinmangel reagiert, der kann bereits abhängig sein. Dessen Körper hält zwar problemlos Stunden oder Tage ohne Nikotinzufuhr durch. Doch in bestimmten Situationen - klassisch ist die Pause während der Arbeit oder das gesellige Bier mit Freunden - geht es dann aber nicht ohne Zigarette. Dieses erlernte Verhalten zu überwinden ist besonders schwer.