Zehn-Punkte-Plan des Gesundheitsministeriums Kampf den Killer-Keimen

Eine Mitarbeiterin untersucht an der Uniklinik Leipzig Bakterienkulturen.

(Foto: dpa)
  • Multiresistente Keime sind ein großes Problem in deutschen Krankenhäusern. Tausende Patienten sterben jährlich, weil sie sich in der Klinik mit Bakterien infizieren, gegen die kein Antibiotikum hilft.
  • Gesundheitsminister Gröhe will mit einem Zehn-Punkte-Plan gegen die Entwicklung vorgehen.
  • In die Klinik-Kontrolle sollen die Experten stärker eingebunden werden, auch ein verpflichtender Test für die Patienten wird erwogen.
  • Während der anstehenden G-7-Präsidentschaft werde sich Deutschland auch international für das Thema einsetzen, heißt es in dem Papier.
Von Guido Bohsem

Das Krankenhaus ist ein Ort der Hoffnung, und doch lehrt einen die Krankenhaus-Statistik das Fürchten. Nach Einschätzung des Gesundheitsministeriums sterben hierzulande jährlich zwischen 12 000 und 15 000 Menschen in den Kliniken, weil sie sich mit einem Keim infizieren, gegen den keine Medizin hilft. Zuletzt war ein Ausbruch des gegen vier Gruppen von Antibiotika resistenten Bakteriums Acinetobacter baumannii an der Kieler Uniklinik Anlass für Schlagzeilen.

Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) will nun mit einem Zehn-Punkte-Plan gegen die Entwicklung vorgehen. Das Papier liegt der Süddeutschen Zeitung vor. Nach Einschätzung seines Hauses drängt die Zeit für einen solchen Schritt. Gröhes Experten gehen nämlich davon aus, dass sich das Problem mit den resistenten Erregern in Zukunft noch verschärfen wird, und zwar aus drei Gründen. Die Patienten werden älter und damit anfälliger. Die Zahl der komplizierten medizinischen Eingriffe nimmt zu und damit auch die Gefahr eines gefährlichen Verlaufs bei einer Ansteckung. Und schließlich wird auch die Zahl der Erreger weiter ansteigen, bei denen herkömmliche Therapien nicht mehr anschlagen.

Gröhe reichen die bisherigen Maßnahmen nicht

Schon in der Vergangenheit hatte es Anstrengungen der Politik gegeben, das Problem einzudämmen. Vor vier Jahren hatte die schwarz-gelbe Koalition das Infektionsschutzgesetz neu geregelt, und die Länder hatten Hygieneverordnungen für die Kliniken erlassen oder verschärft.

Gröhe reicht das nicht. Die Themen Hygiene, Qualitätssicherung und Transparenz würden noch immer nicht mit der nötigen Priorität angegangen, wenn es um Infektionen gehe, die durch eine Behandlung in den Kliniken ausgelöst werden, heißt es in dem Papier.

Gröhe will nun die Experten des Robert-Koch-Instituts (RKI) stärker in die Kontrolle der Kliniken einbeziehen. Darüber hinaus müsse weiter untersucht und geprüft werden, ob die Patienten vor planbaren Krankenhausaufenthalten nicht einem verpflichtenden Test auf multiresistente Keime unterzogen werden müssten. Zudem sollen die Meldepflichten beim Auftreten von besonders gefährlichen Keimen verschärft werden. So gewönnen die Gesundheitsämter und das RKI wertvolle Zeit zum Handeln.

Auch international soll das Thema auf die politische Agenda

Auf der anderen Seite will Gröhe dafür sorgen, dass die Patienten sich einfacher und schneller über die Keim-Lage am Krankenhaus ihrer Wahl erkundigen können. Deshalb sollen die Kliniken verpflichtet werden, regelmäßig Informationen über die Hygienestandards im Haus zu veröffentlichen, und zwar in einer Sprache, die von den Patienten auch verstanden wird. Für die Ärzte und das Pflegepersonal im Krankenhaus, aber auch in den Arztpraxen soll es verpflichtende Fortbildungen geben.

Gröhe möchte nicht nur national vorgehen. Da sich die resistenten Erreger weltweit verbreiteten, müssten sie auch weltweit bekämpft werden, heißt es in dem Papier. Deutschland werde sich des Themas im Rahmen seiner Präsidentschaft im Klub der sieben wichtigsten Industrienationen (G 7) annehmen. Dabei gehe es auch darum, Instrumente zur Entwicklung neuer Antibiotika, diagnostische Tests und alternative Behandlungen international voranzubringen.