Wochenbettdepression Die Depression tritt nicht zwangsläufig im Wochenbett auf

Süddeutsche.de: Wann tritt eine Wochenbettdepression auf?

Christiane Hornstein: Nicht immer sofort nach der Geburt - das Risiko ist im ersten Halbjahr nach der Geburt des Babys erhöht.

Süddeutsche.de: Gibt es Auslöser oder eine Ursache?

Christiane Hornstein: Das Risiko ist am höchsten, wenn man selbst oder jemand aus der Familie schon einmal eine depressive Erkrankung hatte oder wenn man in der Schwangerschaft überängstlich war. Auch psychosoziale Belastungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, an einer Wochenbettdepression zu erkranken. Dazu gehören soziale Isolation und das Gefühl, dass man vom Partner nicht unterstützt wird. Weitere Risikofaktoren können zum Beispiel Zukunftsängste, Unzufriedenheit mit der Lebenslage und Geldsorgen sein.

Süddeutsche.de: Wie erkennen Angehörige oder Freunde eine postpartale Depression?

Christiane Hornstein: Wenn man mit der Person vertraut ist, merkt man oft als erstes, dass sich der Gesichtsausdruck verändert. Häufig zeigen die Betroffenen außerdem eine inadäquate Gereiztheit. Aber man kann eine postpartale Depression nicht einfach sehen. Auch am Umgang mit dem Baby lässt sich nicht erkennen, wie sich die Mutter fühlt. Die Betroffenen bemühen sich enorm um ihr Kind und tun alles, um es gut zu versorgen, auch wenn es ihnen sehr schlecht geht. Deshalb muss man reden - und der Mutter die einfache Frage stellen: Wie geht es Dir?

Süddeutsche.de: Woran merke ich als Mutter selbst, dass ich Hilfe brauche?

Christiane Hornstein: Wenn ich nicht mehr in den Schlaf finde und keine Freude mehr am Kind empfinde. Immer ein Alarmsignal sind suizidale Gedanken: Der Wunsch, nicht mehr da zu sein, der Gedanke: "Das Baby hat eine bessere Mutter verdient, am Besten, ich wäre weg" oder auch der Impuls, wegzulaufen.

Süddeutsche.de: Wie findet man Hilfe?

Christiane Hornstein: Am Besten ist es, zunächst zum Psychiater zu gehen, also zum Facharzt, um abzuklären, was die Ursache ist. Häufig haben Frauen nach der Geburt zum Beispiel eine Schilddrüsenfunktionsstörung, die mit depressiven Symptomen einhergehen kann. Da muss man dann die Schilddrüse durch Hormone regulieren.

Süddeutsche.de: Wie wird eine Wochenbettdepression behandelt?

Christiane Hornstein: Bei mittelschweren und schweren Depressionen kombinieren Ärzte Psychopharmaka und Psychotherapie. Die Gabe von Antidepressiva ist sinnvoll, weil sie den Frauen oft hilft, rascher aus der Depression herauszukommen. Außerdem ist es gut, Schlafstörungen kurzfristig sofort zu behandeln - auch bei leichteren Depressionen, damit die Frauen nicht in eine schwerere hineinrutschen. Es gibt übrigens Psychopharmaka und auch Schlafmittel, die mit dem Stillen vereinbar sind. Bei schweren Fällen gibt es außerdem die Möglichkeit einer Mutter-Kind-Behandlung in einer Klinik.

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