Wenn Ärzte IGeL verkaufen Ahnungslos zum Selbstzahl-Test

"Vom Helfer zum Verkäufer": Mediziner werben offensiv für Selbstzahlerleistungen - und klären dabei offenbar nicht ausreichend auf. Verbraucherschützern zufolge wird nur jedem zweiten Patienten der Nutzen erläutert. Jeder Vierte kennt die Risiken nicht. Genauso vielen wird der Preis erst hinterher verraten.

Patienten werden nach einer Umfrage viel zu spärlich über Selbstzahlerleistungen aufgeklärt. So sei nur jeder Vierte über die Risiken informiert worden, berichtete der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) unter Berufung auf eine bundesweite Online-Umfrage.

Über den individuellen Nutzen fühlte sich nur jeder Zweite aufgeklärt. Ausreichende Bedenkzeit gab es auch nur in jedem zweiten Fall. Eine Kosteninformation vorab fehlte bei jedem Vierten, bei jedem Fünften wurde nicht einmal eine Rechnung ausgestellt.

Mit den so genannten Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) setzen Arztpraxen nach Angaben des vzbv jährlich mindestens 1,5 Milliarden Euro um. "Viele Ärzte nutzen das Vertrauen der Patienten aus, wenn sie vom Helfer zum Verkäufer werden", sagte Verbandsvorstand Gerd Billen. Mit 82 Prozent seien die meisten der Leistungen nicht auf Initiative der Patienten zustande gekommen. In fast jedem zweiten Fall sei das Praxispersonal direkt am Verkauf beteiligt gewesen.

Spitzenreiter bei diesen Leistungen sind laut der vzbv-Umfrage die Glaukom-Früherkennung, der PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs und Ultraschall-Untersuchungen. Diese Untersuchungen halten Experten jedoch für größtenteils überflüssig.

Der IGeL-Monitor, ein von den Krankenkassen betriebener Informationsdienst zur Einschätzung der Selbstzahlerleistungen, bewertet den Glaukom- und den PSA-Test als "tendenziell negativ". Der häufig angebotene Ultraschall der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung erhält das Urteil "negativ". Der Nutzen dieser Tests ist nicht klar bewiesen, heißt es zur Begründung. Dafür können sie jedoch zu weiteren, riskanteren Untersuchungen und Behandlungen führen und Patienten stark belasten.

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(Video: Video: sde, Foto: ddp, Foto: ddp)

Billen forderte die Bundesregierung auf, das derzeit im parlamentarischen Verfahren befindliche Patientenrechtegesetz nachzubessern. Der IGeL-Bereich solle strengeren Regeln unterliegen. "Selbstzahlerleistungen sollen der Gesundheit dienen, nicht die Sebstbedienungsmentalität mancher Ärzte befeuern", forderte Billen.