Warnung der WHO Ebola weitet sich in Liberia dramatisch aus

"Tausend neue Fälle in den kommenden drei Wochen": Laut Weltgesundheitsorganisation weitet sich die Ebola-Epidemie in Liberia stark aus. Fast alle Regionen des Landes sind betroffen.

  • Laut Weltgesundheitsorganisation weitet sich die Ebola-Epidemie in Liberia außergewöhnlich stark aus.
  • Das britische Militär will ein Behandlungszentrum in Sierra Leone einrichten.
  • Die Afrikanische Union entsendet ein medizinisches Expertenteam in die betroffenen Gebiete.

Tausend neue Fälle in den nächsten drei Wochen

In Liberia weitet sich die Ebola-Epidemie laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) außergewöhnlich stark aus. "Tausende neue Fälle werden in den nächsten drei Wochen erwartet", warnte die WHO in einem Bericht zur Lage in dem Land. "Sobald eine neue Einrichtung zur Ebola-Behandlung eröffnet wurde, ist sie überfüllt mit Patienten", heißt es darin. Das zeige, dass die Geschwindigkeit der Ausbreitung des Virus in Liberia stark unterschätzt wurde. Die Seuche hat mittlerweile 14 der 15 Regionen des Landes erreicht. 1089 Menschen starben bislang an Ebola.

Besondere Sorge bereitet der WHO die Region Montserrado, in der auch Liberias Hauptstadt Monrovia liegt. In dem Gebiet leben mehr als eine Millionen Menschen. Nach Schätzungen der WHO werden derzeit 1000 Klinikbetten zur Behandlung der Ebola-Patienten benötigt. Verfügbar sind allerdings nur 240. Selbst wenn man einberechnet, dass weitere 260 Betten geplant sind, wird in den kommenden Wochen nur die Hälfte aller Erkrankten versorgt werden können. Dies führt zu verzweifelten Situationen: In Monrovia - so berichtet es die WHO - fahren Taxis durch die Straßen, in denen potenziell Erkrankte eine Behandlungsmöglichkeit suchen. Vergeblich - Alle Einrichtungen sind bereits überfüllt.

Britisches Militär richtet Behandlungszentrum ein

Das britische Militär will gemeinsam mit Fachleuten ein Ebola-Behandlungszentrum mit 62 Betten in Sierra Leone einrichten. Noch in dieser Woche sollten Experten an den künftigen Standort nahe der Hauptstadt Freetown reisen, teilte die Regierung in London mit. Das Zentrum soll mit 50 Betten für Ebola-Patienten und 12 Betten für die spezielle Behandlung von Ärzten, Pflegern und freiwilligen Helfern ausgestattet werden. Bei einer geplanten Ausgangssperre in Sierra Leone vom 19. bis 21. September sollen Teams der Behörden von Tür zu Tür gehen, um Ebola-Kranke zu finden.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen kritisierte dies scharf: Es mangele an erfahrenen Helfern für ein solches Screening, aber auch an Ebola-Zentren im Land, in denen aufgespürte Verdachtsfälle untersucht werden könnten. Eine solche Ausgangssperre könnte zudem zu Unruhen führen, warnte der 40-jährige Ordensbruder Lothar Wagner, Leiter eines katholischen Kinder- und Jugendschutzzentrums in der Hauptstadt Freetown. "Viele Menschen leben von einem Tag zum anderen. Sie müssen aus dem Haus kommen, um sich ihr tägliches Brot zu verdienen."

Afrikanischen Union entsendet Expertenteam

In der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba diskutierten die Außenminister der Afrikanischen Union (AU) bei einem Ebola-Sondertreffen über die Entsendung eines medizinischen Expertenteams in die betroffenen Gebiete. Die geplante Mission soll Beobachtern zufolge bis zu 200 Mann stark sein und rund 25 Millionen Dollar (19 Millionen Euro) kosten.

Experimentelle Behandlungen für US-Patienten

In den USA erhält unterdessen ein Ebola-Patient ein experimentelles Mittel. Der 51 Jahre alte Missionar und Arzt hatte sich in Liberia angesteckt. Genauere Angaben zu dem Medikament machten Ärzte vom Nebraska Medical Center in Omaha auf einer Pressekonferenz nicht. Es handelt sich aber nicht um das experimentelle Mittel "ZMapp", mit dem im August zwei US-Bürger behandelt worden waren. Gegen Ebola gibt es bisher weder einen vorbeugenden Impfstoff noch ein zugelassenes Medikament zur Behandlung der Krankheit.

Übertragungsrisiko von Tier auf Mensch in 22 Staaten

Einer neuen Studie zufolge leben mehr als 22 Millionen Menschen in Afrika in Gebieten, in denen theoretisch eine Übertragung des Ebola-Virus von Tier auf Mensch möglich ist. Laut einer am Montag in der Fachzeitschrift eLife veröffentlichten Studie gibt es in 22 afrikanischen Staaten ein solches Übertragungsrisiko und damit in einem größeren Gebiet als bislang angenommen. Die Ansteckungsgefahr ist allerdings sehr gering: Seit Entdeckung des tödlichen Virus 1976 gab es bislang lediglich 30 bestätigte Fälle einer solchen Übertragung.