In diesem Jahr wurden so wenig Organe gespendet wie schon lange nicht mehr. Insider machen dafür auch die zuständige Stiftung Organtransplantation verantwortlich. Die demotiviere ihre Mitarbeiter durch Kontrollwut, Geldverschwendung und Fehlplanung.
Eigentlich sollte es bergauf gehen mit der Organspende. Das hatten viele Ärzte und Kranke gehofft, als Frank-Walter Steinmeier im August 2010 seiner Ehefrau eine seiner Nieren abtrat. Der Mangel an Spenderorganen war anschließend ein großes Thema in den Medien. Doch die Hoffnungen wurden enttäuscht: Die Zahlen sind so schlecht wie seit Jahren nicht mehr. Nur 1861 Organe von Toten wurden im ersten Halbjahr 2011 verpflanzt - im Vergleich mit 2010 ein Minus von zwölf Prozent.
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1861 Organe von Toten wurden im ersten Halbjahr 2011 verpflanzt - zwölf Prozent weniger als im Vorjahr. (© dpa)
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In einem anonymen Brief an den Gesundheitsminister machten Mitte Oktober Menschen mit guten Kenntnissen im Transplantgeschehen einen Schuldigen an dem Desaster aus: Verantwortlich für den Rückgang der Spendezahlen sei ausgerechnet die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) - jene Stiftung also, deren ureigenstes Ziel es ist, die Organspende in Deutschland voranzutreiben, so die Autoren.
Die DSO organisiert alle Schritte im komplizierten Prozess der Organspende. Dazu schickt sie Ärzte oder Krankenschwestern, sogenannte Koordinatoren, in jene Kliniken, in denen ein potentieller Organspender stirbt. Eine Novelle des Transplantationsgesetzes, wie sie derzeit diskutiert wird, werde nichts nützen, solange nicht an den Strukturen der DSO gerüttelt werde.
Deren zwei Vorstände nämlich verschwendeten Kassengelder, statt sie in die Organspende zu investieren, pflegten einen Führungsstil nach Gutsherrenart, setzten falsche strukturelle Prioritäten und demotivierten ihre Mitarbeiter durch Kontrollwut, heißt es in dem anonymen Brief. "Viele engagierte, langjährige Mitarbeiter haben die DSO bereits verlassen. Das bleibt natürlich nicht ohne Wirkung auf die Organspende."
Das anonyme Schreiben hat die Politik aufgeschreckt. "Die Vorwürfe geben Anlass, für eine umgehende Aufklärung Sorge zu tragen", fordert das Gesundheitsministerium die zuständige Stiftungsaufsicht auf. Auch der Spitzenverband der Krankenkassen forderte, den Anschuldigungen nachzugehen.
Die DSO-Spitze will sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Ursächlich für den Einbruch der Spendezahlen könne vieles sein: weniger Hirntote, Personalmangel auf den Intensivstationen, womöglich auch Patientenverfügungen. "Eine Auseinandersetzung mit anonym vorgetragenen und einer sachlichen Grundlage entbehrenden Vorwürfen verbietet sich", so die DSO in einer Stellungnahme.
Der Brief sei aus guten Gründen anonym, verteidigen sich die Autoren: "Ein offener Dialog wäre uns lieber, doch ein Großteil der Mitarbeiter (der DSO) lebt unter ständiger Angst." Sie würden "regelmäßig vom Vorstand eingeschüchtert. Bei kritischen Äußerungen werden Abmahnungen oder Kündigungen ausgesprochen. Auch bei erkrankten Mitarbeitern kennt der Vorstand keine Gnade."
Der Süddeutschen Zeitung liegen mehrere Berichte vor, wonach die DSO-Führung massiv Druck auf ihre Mitarbeiter ausübt. "Kritiker werden seit Jahren mundtot gemacht", sagte ein früherer Transplantationskoordinator, der wie viele Zeugen anonym bleiben will - manche aus Angst, andere, weil sie sich vertraglich zum Schweigen verpflichtet haben."Man kam sich vor wie bei Scientology", so der Ex-Koordinator weiter. Kollegen hätten Unterlagen in Bahnhofsschließfächern deponiert, fühlten sich überwacht und ausspioniert.
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Da hat wohl jemand keine Ahnung von Scientology oder hat zuviele Räubergeschichten darüber gelesen. Dort werden interne Diskussionen oft sehr offen ausgetragen.
Eine Aehnlickeit zu Scientology hat es zwar...man liest nichts was die jeweils Kritisierten sagen und das müsste doch dann auch da sein um ein gutes Bild zu erhalten...schade dass offenbar hier die Verantwortlichen (noch) nicht Stellung bezogen haben.
Wie immer: ich würd ja so gern helfen, aber bei den Strukturen lasse ich doch im Zweifel den potentiellen Empfänger verrecken als dass ich diese Mafia unterstütze.
Ich hoffe, sie wünschen sich auch, der Spender der Niere Ihrer Mutter hätte genauso gehandelt, anstelle diese kriminellen Strukturen zu unterstützen. Und hoffentlich haben Sie das Ihrer Mutter auch so erklärt.
Ich (der ich Organspender bin, aber mit dem medizinischen Betrieb nichts zu tun habe) denke, man sollte das ganz einfach machen: Jeder soll seine Bereitschaft oder Nichtbereitschaft zur Organspende offiziell erklären, und Nicht-Spender sollen vom Empfang einer Organspende ausgeschlossen bleiben. Schließlich sollte jeder, der aus Bedenken egal welcher Art eine Spende ablehnt, aus den gleichen Gründen auch die Annahme der Spende verweigern.
lukeisi schreibt
"Denn den Betroffenen würde ich gern helfen, aber auf keinen Fall den mafiösen Strukturen, die dafür sorgen, dass kräftig verdient wird am Leid der Menschen."
bei den aufgezeigten Mängeln geht es im Kern um den Konflikt zwischen den Beteiligten vor Ort (die den potentiellen Spender behandelt haben) und einer Institution, die die Spende und die Weitergabe des Spenderorgans regelt -- aus gutem Grund sind diese Dinge strikt getrennt -- und natürlich ist das Miteinander zu optimieren und stets neu abzustimmen. Geld im Sinne von Einkommen einzelner spielt da keine, ganz sicher nicht die entscheidende Rolle.
Geldgeilheit, bis über den Tod hinaus..
mene mene tekel u-parsin ... wird es vielleicht dann einmal heissen...
@Compiler: Und ein Organ kriegt nur der die blechen kann? Tolle Welt wollen Sie schaffen.
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