USA Pharmalieferant wegen Meningitis-Epidemie im Visier

Ein verunreinigtes Medikament soll in den USA den Tod von zwölf Menschen durch Hirnhautentzündung verursacht haben. Mehr als hundert Menschen sind betroffen, mit weiteren Erkrankungen wird gerechnet.

Verunreinigte Schmerzmedikamente haben in den USA offenbar eine Welle an Hirnhautentzündungen ausgelöst, an der bislang zwölf Menschen gestorben sind.

(Foto: AP)

"Compounding pharmacies" werden in den USA Apotheken genannt, die Arzneien auf Bestellung von Ärzten und Kliniken anfertigen. Ein solcher Pharmalieferant steht nun im Zentrum der Ermittlungen im Fall einer akuten Meningitis-Welle. Nach Informationen der Gesundheitsbehörden von Massachusetts darf die Firma Ameridose LLC, die zu dem Hersteller New England Compounding Center (NECC) gehört, bis auf Weiteres keine Medikamente verkaufen. Das meldet der englischsprachige Dienst der Nachrichtenagentur Reuters.

Die nach der Behandlung mit einem Schmerzmedikament aufgetretenen Meningitis-Todesfälle versetzen viele Amerikaner in Angst und Schrecken. Neuesten Meldungen der US-Gesundheitsbehörde CDC (Centers for Disease Control and Prevention) zufolge sind mittlerweile elf Bundesstaaten betroffen. Zwölf Menschen sind an der Hirnhautenzündung bislang gestorben, insgesamt 138 Erkrankungen wurden gemeldet.

Die Hirnhautentzündungen wurden dabei von Pilzen ausgelöst. Sie wurden zwar als nicht ansteckend eingestuft, die Behörden gehen aber davon aus, dass der Pilz durch ein Steroid-Medikament übertragen worden sein könnte. Dieses wurde an bis zu 13.000 Amerikaner verkauft. Es sei allerdings nicht klar, bei wie vielen von ihnen ein Risiko bestehe.

Tennessee am stärksten betroffen

Das Medikament eines Unternehmens aus Massachusetts, bei dem in zumindest einer Charge Verunreinigungen gefunden wurden, war an Kliniken in 23 Staaten geliefert worden. Insgesamt haben 76 medizinische Einrichtungen das vor allem bei chronischen Entzündungen eingesetzte Medikament erhalten. Mehrere Zehntausend Menschen könnten somit theoretisch betroffen sein.

Das Präparat mit dem Wirkstoff Methylprednisolon-21-Acetat wird in die Nähe des Rückenmarks gespritzt. Laut CDC gehören Kopfschmerzen, Fieber und Übelkeit zu den Symptomen einer Hirnhautentzündung. Wird die Erkrankung durch Pilze verursacht, könnten außerdem Verwirrtheit, Schwindel und eine Überempfindlichkeit gegenüber hellem Licht hinzukommen. Weil die Symptome mitunter erst vier Wochen nach der Ansteckung auftreten, wird die Erkrankung nicht leicht erkannt.

Wie es zur Verunreinigung des Medikamentes kam, sei noch unklar, hieß es bei den CDC. Nach wie vor verzeichnet der US-Bundesstaat Tennessee die mit Abstand meisten Fälle. Ein Drittel der Erkrankten (44) und mehr als die Hälfte der Todesfälle (6) wurden in dem Südstaat registriert. Die beiden anderen Brennpunkte sind Virginia mit 27 Erkrankten und einem Toten und Michigan. Hier starben drei Menschen, 28 Erkrankte wurden gemeldet. Auch in Florida und Maryland starb je ein Patient. Indiana verzeichnet 15 Krankheitsfälle.

Im Zusammenhang mit den Erkrankungsfällen ist dem Gouverneur von Florida ein peinlicher Fehler unterlaufen: Wie US-amerikanische Medien melden, hatte Rick Scott an die Bürger seines Bundesstaates die Telefonnummer einer Informationshotline weitergegeben, die Auskunft über die Erkrankungswelle erteilen sollte. Wie sich schnell herausstellte, hatte Gouverneur Scott eine falsche Nummer angegeben: Die Anrufer landeten bei einem Telefonsex-Anbieter. Ein örtlicher Radiosender meldete den Fehler schnell und bereits nach 20 Minuten konnte Rick Scott die richtige Nummer der Informationshotline bekanntgeben.