Nach Angaben der Ärztin Frühe Behandlung befreit Baby von HIV

Eine US-Ärztin hat ein neugeborenes Baby nach eigenen Angaben vom HI-Virus befreit. Dies wäre bereits der zweite Heilungserfolg eines Neugeborenen innerhalb eines Jahres. Die Hoffnung für ähnliche Fälle steigt.

US-Ärzte haben nach einem Bericht der New York Times offenbar ein HIV-positives Baby von der Infektion befreit, indem sie es wenige Stunden nach der Geburt mit antiretroviralen Medikamenten behandelt haben.

Die Mutter des Babys, das in einem Krankenhaus in Long Beach, Kalifornien, geboren wurde, ist an Aids erkrankt. Die Krankheit befand sich zum Zeitpunkt der Geburt in einem fortgeschrittenen Stadium. Die Mutter hatte Medikamente verschrieben bekommen, um das Baby zu schützen, sie aber nicht eingenommen.

Vier Stunden nach der Geburt entnahm die Kinderärztin Audra Deveikis eine Blutprobe bei dem Baby. Noch bevor diese ausgewertet war und die Ärztin wissen konnte, ob das Baby tatsächlich mit dem HI-Virus infiziert war, begann sie mit der Behandlung. Deveikis verabreichte dem Neugeborenen drei hochwirksame Medikamente - AZT, 3TC and Nevirapine - jene Kombinationstherapie, die auch bei Erwachsenen eingesetzt wird, um die Infektion zu unterdrücken.

Virus nicht mehr nachweisbar

Die normale Therapie sieht derart hohe medikamentöse Dosen erst dann vor, wenn eine Infektion zweifelsfrei nachgewiesen ist. "Natürlich hatte ich Bedenken. Aber die Erkrankung der Mutter war nicht unter Kontrolle und ich musste das Infektionsrisiko abwägen gegen das Risiko, das von den Medikamenten ausging", sagte Deveikis der New York Times.

Offenbar ist die frühe Therapie erfolgreich verlaufen, obwohl, wie die Ärztin betont, das Baby im strengen Sinne noch nicht als "geheilt" bezeichnet werden kann, weil es noch Medikamente verabreicht bekommt. Allerdings sei das Virus mit gängigen Methoden nicht mehr nachweisbar. Unklar ist aber, ob das Virus noch in verbliebenen Reservoirs in den Zellen schlummert. Ärzte sprechen in solchen Fällen von einer "funktionellen Heilung" - das Virus ist zwar noch in sehr geringen Mengen vorhanden, doch das körpereigene Immunsystem kann ihn selbst in Schach halten.

Bereits im vergangenen Jahr war von einem Neugeborenen aus Mississippi berichtet worden, das offenbar durch aggressive Medikamentengabe kurz nach der Geburt vom HI-Virus befreit wurde. Doch damals gab es Zweifel, ob überhaupt eine HIV-Infektion vorlag.

Klinische Studie in Vorbereitung

Wie Infektiologen auf einer Konferenz in Boston berichten, gebe es in Kanada und Südafrika noch mehrere ähnliche Fälle. Demnächst solle ein klinischer Versuch mit bis zu 60 HIV-infizierten Babys starten. Sie alle würden innerhalb von 48 Stunden nach der Geburt einer Kombinationstherapie unterzogen.

Wenn die Studie erfolgreich verläuft - und es dürfte mehrere Jahre dauern, bis das gesichert ist -, könnte das die Behandlung von HIV-infizierten Neugeborenen stark verbessern.

Nehmen schwangere HIV-infizierte Mütter Medikamente ein und befolgen weitere Präventionsmaßnahmen, kann eine Infektion auf das Kind in 98 Prozent der Fälle verhindert werden. Dennoch kommen weltweit - vor allem in Entwicklungsländern - noch immer mehr als 200 000 Babys pro Jahr mit einer HIV-Infektion auf die Welt.