Nach Rückkehr aus Liberia Erster Ebola-Fall in den USA diagnostiziert

  • In Westafrika sind bereits Tausende Menschen an Ebola gestorben. Nun hat das tödliche Virus die USA erreicht. Bei einem Mann in Texas wurde Ebola diagnostiziert.
  • Der Mann war am 20. September in den USA angekommen und hatte vier Tage danach erste Symptome gezeigt. Weitere vier Tage später wurde der Patient isoliert.
  • Mögliche Kontaktpersonen des infizierten Mannes werden nun überwacht.
  • In Westafrika kommt es zu Nahrungsengpässen, Politiker betroffener Länder drängen auf schnellere internationale Hilfe.
Von Jakob Schulz

Ebola erstmals in den USA diagnostiziert

Erstmals ist außerhalb von Afrika ein Fall von Ebola festgestellt worden. Das Virus sei bei einem Mann im US-Bundesstaat Texas diagnostiziert worden, sagte Tom Frieden, der Direktor der US-Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC), auf einer Pressekonferenz.

Demnach hatte der infizierte Patient am 19. September das westafrikanische Liberia verlassen und traf am Tag darauf in den USA ein, um seine Familie zu besuchen. Bei der Ausreise sei er untersucht worden, doch man habe kein Fieber gemessen. Nachdem am 24. September erste Symptome auftraten, begab er sich zwei Tage später in eine Klinik und wurde am 28. September in eine Isolationsstation eingeliefert. Ein Test ergab eine Infektion mit dem Ebola-Virus.

Umfeld des infizierten Mannes wird überwacht

Die Behörden haben demnach bereits alle Personen identifiziert, mit denen der Mann im Zeitraum zwischen Sichtbarkeit der ersten Symptome und der Einlieferung ins Krankenhaus verkehrte. Die Zahl dieser Kontaktpersonen beschrieb das CDC mit "einer Handvoll". Diese gefährdeten Menschen würden nun drei Wochen lang auf mögliche Ebola-Symptome überwacht.

CDC-Direktor Frieden sagte weiter, der infizierte Patient sei wahrscheinlich nicht am Kampf gegen Ebola beteiligt gewesen. Die Frage, ob der Mann US-Bürger sei, wurde nicht beantwortet. Frieden hält es für unwahrscheinlich, dass mögliche Mitreisende des Patienten sich während eines Fluges infiziert haben könnten und erklärte: "Ich habe keinen Zweifel, dass wir diesen Ebola-Fall kontrollieren und dafür sorgen werden, dass sich die Krankheit in diesem Land nicht weiter ausbreiten wird." Frieden telefonierte anschließend mit US-Präsident Barack Obama und betonte nach Angaben des Weißen Hauses, dass die Behörden auf einen solchen Fall vorbereitet gewesen seien.

Börsenkurse von Pharma-Unternehmen steigen

Das "Texas Health Presbyterian"-Krankenhaus in Dallas hatte zuvor bereits mitgeteilt, dass es einen Patienten auf einer Isolationsstation untersuche, bei dem der Verdacht auf Ebola bestehe. Bei den Ebola-Patienten, die bereits in den vergangenen Wochen zur Behandlung in die USA geflogen worden waren, war das Virus in Westafrika festgestellt worden.

Die Nachricht vom ersten Ebola-Fall in den USA lies nachbörslich die Aktienkurse von mehreren Pharmafirmen steigen, die an Mitteln gegen die Seuche arbeiten. Dazu gehörten Reuters zufolge Tekmira, BioCryst und Sarepta.

Tausende Tote in Westafrika

Dem Ebola-Ausbruch in zahlreichen Staaten Westafrikas sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits mehr als 3000 Menschen zum Opfer gefallen. Die Zahl der Infizierten stieg auf mehr als 6500. Die WHO rechnet aber mit einer hohen Dunkelziffer.

Nahrungsengpässe in Liberia

Liberias Handelsminister Axel Addy fordert zügigere Hilfe. "So sehr wir Hilfe aus dem Ausland schätzen, sie muss schneller bei uns ankommen", sagte Addy bei den Vereinten Nationen in Genf. Seinen Angaben zufolge ist inzwischen auch die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln gefährdet. Die Vorräte an Reis, dem Hauptnahrungsmittel in Liberia, drohten Ende November auszugehen. Verhandlungen über neue Importe gestalteten sich schwierig. Der Transport sei ein weiteres Problem: Von bisher elf Fluggesellschaften fliegen nur noch zwei die Hauptstadt Monrovia an. Liberia ist am schwersten von der Epidemie betroffen.

UN unterschätzten das Virus

Aus UN-Kreisen hört man inzwischen auch selbstkritische Töne: Man habe die Ebola-Krise anfangs womöglich unterschätzt. "Ein Element, das wir wohl nicht richtig beurteilt hatten, war die Geschwindigkeit, mit der sich diese Epidemie ausbreiten würde", räumte die Vizedirektorin des Welternährungsprogramms (WFP), Elisabeth Rasmusson, ein. Rasmusson erklärte, die Verteilung von Lebensmitteln in Quarantäne-Vierteln und Krankenstationen sei wichtig, um zu verhindern, dass sich die Menschen von dort in andere Gebiete aufmachten, um Nahrung zu suchen. Sie habe den Eindruck, dass die internationale Hilfe nach einer Verzögerung in der Anfangsphase jetzt auf Touren gekommen sei, erklärte Rasmusson.

Die vor einer Woche geschaffene UN-Sondermission zur Bekämpfung der Ebola-Epidemie (UNMEER) hatte am Montag ihr Hauptquartier in Ghanas Metropole Accra eröffnet. Regionale Büros zur Koordinierung von Hilfsoperationen sollten in den kommenden Tagen die Arbeit aufnehmen, teilte ein UN-Sprecher mit. Die Bundeswehr bemüht sich aktuell, eine Luftbrücke zwischen Dakar und Monrovia aufzubauen. Dabei kommt es allerdings wegen defekter Flugzeuge zu Verzögerungen.

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