Universität Düsseldorf Disziplinarverfahren gegen Stammzellforscher Strauer

Lange schien es, als hätte der Kardiologe Strauer neue, ethisch vertretbarere Wege der Stammzellforschung beschritten. Dann kamen Zweifel an der Zuverlässigkeit seiner Arbeiten auf. Jetzt leitet die Universität Düsseldorf ein Disziplinarverfahren gegen den Kardiologen ein.

Von Christina Berndt

In der Causa des umstrittenen Stammzellforschers Bodo-Eckehard Strauer haben die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und das Universitätsklinikum Düsseldorf ihre Untersuchungen abgeschlossen. "Auf Grundlage dieser Prüfungen leitet der Hochschulrat jetzt ein Disziplinarverfahren gegen den inzwischen im Ruhestand befindlichen Prof. Dr. Bodo E. Strauer ein", teilte die Universität am Montagabend mit. Es werde "eine intensive Prüfung unter Einbeziehung aller Umstände stattfinden".

Die Ergebnisse der Untersuchungen könnten jetzt allerdings nicht kommuniziert werden, sagte die Sprecherin des Universitätsklinikums der SZ. Aus juristischen Gründen müsse der Ausgang des Disziplinarverfahrens abgewartet werden. Bis dahin könnten Jahre vergehen. "Mein Mandant hat in einer ausführlichen Stellungnahme an die Uni Düsseldorf dargelegt, weshalb an den Vorwürfen nichts dran ist. Die Pressemitteilung der Universität liest sich nicht so, als habe man die Stellungnahme dort schon gelesen", teilte Strauers Anwalt der SZ auf Anfrage mit.

Universität und Universitätsklinikum Düsseldorf hatten Ende 2012 unabhängig voneinander zwei Kommissionen eingesetzt, um das Wirken Strauers in Düsseldorf zu untersuchen. Die eine Kommission untersuchte, ob wissenschaftliches Fehlverhalten bei der Publikation von Stammzellstudien durch den Kardiologen vorliegt. Eine zweite Kommission aus drei externen Experten unter dem Vorsitz des Pharmakologen und Medizin-Dekans Heyo Kroemer von der Universität Göttingen hat vor allem die Einhaltung der Bestimmungen des Arzneimittelgesetzes und der wissenschaftlichen Standards bei der Durchführung sogenannter "klinischer Prüfungen am Menschen" (Good Clinical Practice) aufgearbeitet.

Die Bedeutung der Herzstammzelltransplantation an sich, die als experimentelle Behandlungsform auch heute noch weiter erforscht wird, wurde nicht bewertet, betonen Universität und Klinikum.

Zahlreiche Ungereimtheiten in den Publikationen

Das Disziplinarverfahren richtet sich gegen einen prominenten Vertreter der Stammzellforschung. Bodo-Eckehard Strauer hatte im Jahr 2001 in einem kühnen Experiment weltweit als Erster einem Patienten Stammzellen aus dessen eigenem Knochenmark ins Herz gespritzt, um einen Infarkt zu heilen. Danach unternahm Strauer zahlreiche weitere Heilversuche und Studien an Patienten.

Gegner der embryonalen Stammzellforschung feierten den Kardiologen, der ethisch nicht umstrittene Stammzellen von Erwachsenen benutzte. Es kam aber auch schon früh Kritik an der Seriosität des Professors auf, weil dieser auch schon mal einen Erfolg nach der Behandlung eines einzelnen Patienten proklamierte.

Ende 2012 wurden dann schwere Vorwürfe laut, wonach es in Strauers Veröffentlichungen zahlreiche Ungereimtheiten gebe. Das Klinikum leitete ein Untersuchungsverfahren ein. Strauer wies die Vorwürfe von sich. "Das ist alles absurd", teilte er über seinen Anwalt mit. Er vermutete eine Kampagne von Befürwortern der Forschung mit embryonalen Stammzellen.

Im Sommer 2013 übten dann britische Kardiologen in einer Arbeit im International Journal of Cardiology noch einmal heftige Kritik. Die Wissenschaftler des Imperial College in London wiesen auf mehr als 200 Widersprüche in Strauers Publikationen hin. Die Resultate aus dem Strauer-Labor seien "wegen eines Minenfelds unüberbrückbarer Widersprüche zwischen den Arbeiten und sogar innerhalb der Arbeiten nahezu uninterpretierbar", lautet das Fazit der Kardiologen Darrel Francis und Graham Cole sowie des Biologen Michael Mielewczik. Die Diskrepanzen seien so schwerwiegend, dass sie die Schlussfolgerungen, die Strauer und andere Wissenschaftler aus diesen Arbeiten zogen, zweifelhaft machten. Ob Patienten zu Schaden gekommen sind, ist damit weiter unklar.