Unicef-Bericht Kindersterblichkeit weltweit deutlich gesunken

Im vergangenen Jahr sind fast sieben Millionen Kinder unter fünf Jahren gestorben, berichtet das Kinderhilfswerk Unicef. 1990 waren es noch zwölf Millionen. Der Erfolg geht vor allem auf Impfaktionen sowie verbesserte Hygiene und Trinkwasserversorgung zurück. Den Experten zufolge könnten jedoch noch weit mehr Kinder gerettet werden.

Die Zahl der Todesfälle von Kindern unter fünf Jahren ist von mehr als zwölf Millionen im Jahr 1990 auf 6,9 Millionen im vergangenen Jahr gesunken. Auch geht die Kindersterblichkeit weltweit immer schneller zurück.

Unterernährtes Kind in einem Hospital in Kaya, Burkina Faso. Die Zahl der Todesfälle von Kindern unter fünf Jahren ist in den vergangenen 20 Jahren weltweit von mehr als zwölf auf 6,9 Millionen gesunken. Ein Erfolg - der aber größer sein könnte.

(Foto: dpa)

Das sind die guten Nachrichten, die das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, Unicef, jetzt veröffentlicht hat. Allerdings sei man von dem Millenniumsziel der Staatengemeinschaft, die Kindersterblichkeit bis zum Jahr 2015 um zwei Drittel zu senken, noch weit entfernt, warnt die Organisation. Den neuen Berechnungen zufolge starben 2011 immer noch rund 19.000 Kinder unter fünf Jahren - täglich. 14.000 weniger als 1990.

Auch sind die Fortschritte sehr ungleich verteilt, stellt die Organisation in ihrem Bericht fest, den sie jetzt in New York und Köln vorgestellt hat. Das höchste Risiko tragen die ärmsten Kinder und Kleinkinder.

Häufigste Todesursache von Kindern unter fünf Jahren sind Komplikationen während der Schwangerschaft und der Geburt. 40 Prozent der Todesfälle geschahen in den ersten 28 Lebenstagen. 2011 überlebten etwa drei Millionen Babys diesen Zeitraum nicht.

Das Risiko für Kinder, an vermeidbaren oder behandelbaren Krankheiten zu sterben, ist dem Bericht zufolge insbesondere in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara und in Südasien sehr hoch. Dort wurden im vergangenen Jahr 80 Prozent der Todesfälle registriert.

In Sierra Leone, dem Land mit der höchsten Kindersterblichkeit, erlebten 2011 pro 1000 Lebendgeburten 185 Kinder nicht ihren fünften Geburtstag. Zum Vergleich: In Deutschland waren es drei von 1000. Fünf Länder kamen im vergangenen Jahr zusammen auf die Hälfte der Todesfälle: Indien (24 Prozent), Nigeria (elf Prozent), Demokratische Republik Kongo (sieben Prozent), Pakistan (fünf Prozent) und China (vier Prozent).

Fünf Hauptursachen

Die meisten Todesfälle sind laut Unicef auf fünf Ursachen zurückzuführen: Lungenentzündung (18 Prozent), Frühgeburtskomplikationen (14 Prozent), Durchfallerkrankungen (elf Prozent), Komplikationen bei der Geburt (neun Prozent) und Malaria (sieben Prozent).

Einige Entwicklungsländer haben der Organisation zufolge aber bedeutende Fortschritte gemacht: So drückte Laos seine Kindersterblichkeitsrate zwischen 1990 und 2011 um 72 Prozent, Osttimor um 70 Prozent, Liberia um 68 Prozent und Bangladesch um 67 Prozent.

Jeder dritte Todesfall bei Kindern hänge mit chronischer und akuter Unterernährung zusammen, sagen die Fachleute. Fortschritte gebe es vor allem wegen des erfolgreichen Kampfs gegen ansteckende Krankheiten. So ging die Zahl der Kinder, die an Masern starben, den Angaben zufolge von geschätzten 500.000 im Jahr 2000 auf 100.000 im Jahr 2011 zurück. Die Zahl der an Durchfallerkrankungen gestorbenen Kindern sank demnach im gleichen Zeitraum um ein Drittel von 1,2 Millionen auf 0,7 Millionen - insbesondere infolge von besserer Hygiene und Trinkwasserversorgung.

Die Fortschritte im Kampf gegen die Kindersterblichkeit führt Unicef vor allem auf die Impfaktionen sowie allgemein verbesserte Hygiene und Trinkwasserversorgung zurück. Zudem könnten die Überlebenschancen etwa durch imprägnierte Moskitonetze zur Vorbeugung von Malaria oder die Ausbildung von Hebammen deutlich verbessert werden.

Die Welt habe die Technologie und das Wissen, um das zu tun, sagte Unicef-Exekutivdirektor Anthony Lake. Die Herausforderung bestehe darin, diese allen Kindern zugänglich zu machen.

"Mit Impfungen, imprägnierten Moskitonetzen und besserer Geburtshilfe stehen kostengünstige Methoden bereit, die Leben retten können", erklärte Christian Schneider, Geschäftsführer von Unicef Deutschland. Deshalb sei es "nicht hinnehmbar, dass in Ländern wie Sierra Leone, Somalia, Mali oder Tschad immer noch jedes fünfte bis sechste Kind nicht überlebt".