Uni-Klinik Göttingen Organspende-Skandal weitet sich aus

Die Staatsanwaltschaft ermittelt nach SZ-Informationen gegen einen weiteren leitenden Mediziner am Uni-Klinikum Göttingen. Der Vorwurf: Bestechlichkeit. Der Arzt soll Daten manipuliert haben, um Patienten eine neue Leber zu verschaffen.

Von Christina Berndt

Der Organspendeskandal von Göttingen weitet sich aus. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt inzwischen gegen einen zweiten Beschuldigten. Es handelt sich um den Leiter der Abteilung für Gastroenterologie am Universitätsklinikum, der inzwischen freigestellt wurde, wie ein Sprecher mitteilte.

Zudem wurden die Ermittlungen gegen den bereits seit längerem beschuldigten ehemaligen Leiter der Transplantationsmedizin am Klinikum Göttingen ausgeweitet. Gegen ihn werde nun "in weiteren 22 konkreten Verdachtsfällen manipulierter Patientendaten" ermittelt.

Den beiden Ärzten wird vorgeworfen, die Daten so gefälscht zu haben, dass die Patienten kränker erschienen, als sie es in Wirklichkeit waren. Dadurch bekamen sie schneller eine Spenderleber von der internationalen Vermittlungsstelle Eurotransplant zugeteilt, andere Patienten mussten dafür länger warten. Der Vorwurf laute in allen Fällen Bestechlichkeit, teilte Staatsanwältin Serena Stamer der SZ auf Anfrage mit.

Unter dem Verdacht der Bestechlichkeit steht nun auch der zweite Beschuldigte. Gegen ihn werde seit Montag ermittelt, so Stamer. Seine Aufgabe sei es gewesen, die Patienten vor einer Organtransplantation zu untersuchen. Damit habe er ebenfalls Einfluss auf die Daten gehabt und diese mutmaßlich manipuliert.

Am Mittwoch hat die Staatsanwaltschaft bereits seine Wohnung und seinen Arbeitsplatz am Klinikum Göttingen untersucht. Es wurden Unterlagen sichergestellt, die nun ausgewertet werden, so die Staatsanwältin. Auf die Spur des Gastroenterologen kamen die Ermittler nach SZ-Informationen, weil die Manipulationen nicht gut genug vertuscht wurden.

Die Staatsanwaltschaft in Göttungen hat inzwischen auch Ermittlungen wegen Tötungsdelikten eingeleitet. Denn durch die Bevorzugung der Göttinger Patienten könnten andere schwerkranke Leberpatienten verstorben sein.

Beide Mediziner haben sich vor den Ermittlungsbehörden bisher nicht geäußert. Dem Klinikum gegenüber haben sie die Vorwürfe bestritten.

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