Trotz Millionenausgaben Es steht schlecht um die Zähne pflegebedürftiger Senioren

Gesunde Zähne, also nicht solche wie im Bild zu sehen, sind wichtig - ein Leben lang.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Trotz Millionenausgaben der Krankenkassen haben viele Menschen in Pflegeheimen schlechte Zähne.
  • Zwar besuchen Zahnärzte dort inzwischen häufiger ältere Patienten, oft folgt aber keine therapeutische Leistung.
  • Ursache seien bürokratische Hürden und fehlende Ausstattung, so die Heimbetreiber und Ärzte.

Es steht nicht gut um die Zähne vieler Pflegeheimbewohner in Deutschland. Knapp zwei Drittel der Senioren im Heim leiden an Zahnfleischbluten und -entzündungen. Zudem ist die Hälfte der Pflegebedürftigen in Heimen zahnlos - deutlich mehr als gleichaltrige Menschen, die nicht pflegebedürftig sind. Zwar besuchen Zahnärzte inzwischen häufiger ältere Menschen in Seniorenheimen, Therapien wie Reparaturen an Zahnprothesen sind damit allerdings nicht verbunden. Das zeigt der aktuelle Zahnreport der Barmer-Krankenkasse.

Dank neuer Vergütungsregeln können Zahnärzte seit 2013 den Besuch bei Heimbewohnern höher abrechnen. Dennoch scheint es Heimbewohnern in Punkto Zahngesundheit deshalb nicht besser zu gehen: Die Neuregelungen hätten bisher "nicht den gewünschten Effekt" gebracht, kritisierten die Autoren des Reports.

Gut gemeint, Ziel verfehlt?

Die Reform für bessere Zähne im Pflegeheim sei "sicherlich gut gemeint" gewesen, verfehle aber bislang ihr Ziel, sagt Barmer-Chef Christoph Straub. Zwar würden mehr Altenheimbewohner durch den Zahnarzt erreicht, und es gebe vermutlich auch Verbesserungen bei der Prävention - "definitiv aber nicht bei der Therapie".

Dabei haben die Krankenkassen allein im Jahr 2016 bundesweit mehr als 55 Millionen Euro für die neuen Regeln ausgegeben. "Allerdings erfolgte bei mehr als zwei Dritteln der Besuche am selben Tag keine therapeutische Leistung und bei mehr als der Hälfte auch innerhalb der folgenden 90 Tage nicht", sagt Studienautor Michael Walter, Direktor der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik am Dresdener Universitätsklinikum.

Als Ursache sehen die im Rahmen des Reports befragten Pflegeheimbetreiber und Zahnärzte eine fehlende Ausstattung für Zahnärzte in den Heimen und einen hohen bürokratischen Aufwand, den ein Krankentransport zum Zahnarzt mit sich bringt. Zudem würden manche Senioren eine Behandlung schlicht ablehnen. Um den Besuch von Pflegeheimbewohnern beim Zahnarzt nicht unnötig zu erschweren, fordert Barmer-Chef Straub, die Antragsverfahren für die Kostenübernahme von Krankenfahrten zu vereinfachen. Entsprechende Pläne gebe es bereits.

Zahnärzte fordern mehr Unterstützung

Die Zahnärzteschaft reagiert verärgert auf den Report und forderte ihrerseits von den Krankenkassen mehr Unterstützung: "Die Barmer beklagt Defizite in der Versorgung, ködert zugleich aber laut Bundesversicherungsamt mit knappen Beitragsgeldern junge, gesunde Mitglieder über Bonusprogramme und Wahlleistungen, um ihre Bilanz aufzuhübschen", sagt Wolfgang Eßer, Vorstandsvorsitzender der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung.

Alte, chronisch Kranke und behinderte Menschen würden von den Kassen systematisch benachteiligt. Nicht erst seit dem Report sei bekannt, dass gerade Ältere und Pflegebedürftige besondere Versorgung in Punkto Zahnmedizin benötigten, so Eßer. "Statt Geld für teure Eigen-PR oder zweifelhaftes Sponsoring zu vergeuden, sollten Kassen ihre Versicherten besser über bestehende Ansprüche in der zahnärztlichen Versorgung informieren."

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