Transplantations-Skandal Organspenden gehen deutlich zurück

Die Bereitschaft der Deutschen, Organe zu spenden, ist im Vergleich zum Vorjahr um 11,6 Prozent gesunken. Die Deutsche Stiftung Organtransplantation vermutet als Ursache den Organspende-Skandal. Das kann jedoch nicht der einzige Grund sein.

Von Christina Berndt

Die Zahl der Organspender ist gesunken. In den ersten drei Quartalen 2012 spendeten der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) zufolge 829 Menschen ihre Organe; in den Vergleichszeiträumen der fünf vorangegangenen Jahre waren es durchschnittlich 938 Menschen.

Der Rückgang um 11,6 Prozent sei vermutlich unter anderem auf die Manipulationsvorwürfe gegenüber einzelnen Transplantationszentren zurückzuführen, so die DSO: "Auch wenn es immer wieder Schwankungen in der Entwicklung der Zahlen gibt und das Jahresergebnis noch abzuwarten ist, ist die Verunsicherung der Menschen spürbar vorhanden und sehr ernst zu nehmen."

Es müsse "nun alles dafür getan werden, um jegliche Verdachtsfälle in Transplantationszentren lückenlos aufzuklären und weiterem Missbrauch sicher vorzubeugen", fordert die DSO. "In diesem Zusammenhang sind direkte Konsequenzen von Seiten der aufsichtsführenden Institutionen erforderlich. Dies würde zeigen, dass man bereit ist, ernsthaft Schritte einzuleiten, die solches Vorgehen in Zukunft vermeiden."

Ein genauer Blick auf die Statistik aber zeigt: Die Spenderzahlen befinden sich bereits seit Anfang 2012 auf niedrigem Niveau. Schon im ersten Quartal war ein Minus von 10,5 Prozent im Vergleich zu den ersten Quartalen der fünf Vorjahre zu verzeichnen.

Unregelmäßigkeiten bei Transplantationen in Göttingen, Regensburg und München sind jedoch erst seit Mitte Juli bekannt geworden. Zuvor hatten Vorwürfe der Vetternwirtschaft und des Missmanagements gegen die DSO selbst die Berichterstattung der Medien über Organspende beherrscht. In der Folge war einer der beiden Vorstände zurückgetreten.