Traditionelle chinesische Medizin Pestizidcocktails in Heilkräutern

Von wegen natürlich: Greenpeace fand hohe Pestizidrückstände in chinesischen Kräutern.

(Foto: AFP)

Bei ihrer Suche nach sanfter und natürlicher Heilung als Alternative zu Pharmaprodukten handeln sich Verbraucher womöglich erst recht ganze Chemiecocktails ein. Greenpeace-Tester finden in chinesischen Kräutern alarmierend hohe Rückstände von Pflanzenschutzmitteln.

Gojibeere, Geißblatt, Chrysantheme - das klingt ganz anders als die oft verteufelte Chemie, die die Pharmabranche im Angebot hat. Viele Menschen greifen voller Überzeugung zu solchen in der traditionellen chinesischen Medizin verwendeten Pflanzen. Doch was die Umweltorganisation Greenpeace bei einer Untersuchung dieser Kräuter festgestellt hat, hat mit der viel beschworenen Natürlichkeit nichts mehr zu tun.

48 von insgesamt 65 untersuchte Pflanzen aus China enthielten Pestizidrückstände. Nicht selten waren es ganze Chemiecocktails: In einigen Blumen fanden die Tester Reste von bis zu 39 verschiedenen Pflanzenschutzmitteln. Bislang ist wenig darüber bekannt, inwieweit die verschiedenen Chemikalien miteinander in Wechselwirkung treten. Pestizide werden bei Kontrollen daher einzeln und nicht in ihrer Summe ausgewiesen. Doch auch die einzelnen Pestizide überschritten die zulässigen Höchstwerte zum Teil eklatant: Ein Kraut, die so genannte Sanqi-Blume, enthielt 500 Mal mehr Rückstände als in der EU erlaubt. Eine Geißblatt-Pflanze überschritt den Grenzwert um das Hundertfache.

26 Proben enthielten zudem Spuren von Pestiziden wie Carbofuran und Phorat, die auch in China verboten sind. Laut Greenpeace werden sie von der Weltgesundheitsorganisation WHO als extrem gefährlich eingestuft.

Die getesteten Kräuter stammen aus verschiedenen Orten Chinas. Greenpeace-Landwirtschaftsexpertin Christiane Huxdorff schließt nicht aus, dass solche Kräuter auch in Deutschland vertrieben werden: "Millionen Menschen auf der ganzen Welt vertrauen auf die Heilwirkung der Kräuter". Doch die derart belasteten Pflanzen stellten ihrerseits eine Gesundheitsgefahr dar, schreiben die Tester.

Die Langzeitwirkungen von Pestiziden, die über die Nahrung aufgenommen werden, sind umstritten. Relativ sicher ist, dass Farmarbeiter oder Anwohner von großen Feldern, die den Wirkstoffen direkt ausgesetzt sind, schwere Gesundheitsschäden davon tragen können. So steigt das Risiko von Fehlgeburten oder Fehlbildungen von Kindern im Mutterleib. Auch für einige Krebsarten wurde ein Zusammenhang mit Pestizid-Belastungen gefunden.

China verwendet der Umweltschutzorganisation zufolge mehr Pestzide als jedes andere Land der Welt. Doch auch weltweit steigt der Verbrauch von chemischen Pflanzenschutz- und Düngemitteln. Er hat sich zwischen 2000 und 2009 verdoppelt und wird bis 2050 voraussichtlich um fast drei Prozent pro Jahr steigen.