Toxikologie Schadstoffe in der Schwimminsel

Wie sich die Chemikalien auf die Gesundheit auswirken, ist noch nicht klar.

(Foto: Photographie Peter Hinz-Rosin)
  • Chemiker haben 20 Wasserspielzeuge auf Schadstoffe untersucht. Bei 15 Produkten fanden sie Rückstände von Lösungsmitteln.
  • Wie gesundheitsschädlich die Konzentrationen sind, ist noch nicht geklärt.
  • Die Wissenschaftler gehen jedoch davon aus, dass es "sicher kein kleines Problem" ist.
Von Hanno Charisius

Vor über einem Jahr weckten Geburtstagsgeschenke an ihre Kinder das Misstrauen von Andrea Büttner. Die Spielsachen aus Plastik verströmten einen stechenden Geruch, der Büttner, Professorin für Aromaforschung, alarmierte. Gemeinsam mit dem Lebensmittelchemiker Christoph Wiedmer, der wie sie am Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung (IVV) in Freising forscht, begann sie, Schwimmflügel und -ringe sowie Wasserspielzeuge systematisch zu untersuchen. Die Ergebnisse dürften die Vorfreude auf die Badesaison trüben.

Bei 15 von 20 untersuchten Spielzeugen, fast alle mit Comicfiguren oder Filmhelden bedruckt, fanden sie Reste von Lösemitteln - zum Teil in großen Mengen. Es handelt sich um Cyclohexanon, das als reizend gilt und Schwindel sowie Kopfschmerzen verursacht, Isophoron, das als möglicherweise krebserregend eingestuft wurde, und giftiges Phenol.

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Neun Spielzeuge enthielten größere Mengen Cyclohexanon. Isophoron fanden die Messgeräte in acht Plastikprodukten in bedenklichen Konzentrationen und Phenol in 14. Ein aufblasbarer Plastikball, der wie ein Globus bedruckt war, lieferte die höchsten Schadstoffmengen. Hochgerechnet auf ein Kilogramm Kunststoff fanden Wiedmer und Büttner zwölf Gramm Lösungsmittel. Ausgerechnet dieses Produkt war laut Packungsangabe von einem deutschen Labor als "schadstoffgeprüft" zertifiziert worden.

"Im Detail können wir nicht sagen, wie gesundheitsschädlich einzelne Produkte sind", sagt Büttner. "Dazu müsste man zunächst untersuchen, wie viel davon Kinder einatmen, die mit diesen Dingen spielen, oder wie viel sie verschlucken, wenn sie daran lutschen." Christoph Wiedmer betont jedoch, dass es für ähnlich gefährliche Substanzen Grenzwerte gibt, die deutlich unter den nun gefundenen Mengen liegen. "Auch wenn wir die Gefahr derzeit noch nicht richtig einschätzen können, ist es sicher kein kleines Problem", sagt der Lebensmittelchemiker.

Die gefundenen Mengen weisen seiner Ansicht nach darauf hin, dass es sich nicht bloß um Verunreinigungen der Plastikwaren handelt. Wahrscheinlicher gelangen die Substanzen während der Produktion in die Spielsachen und werden nicht gründlich genug wieder entfernt. "Dass dies möglich ist, zeigen die Produkte jener Hersteller, bei denen wir keinen der drei Stoffe finden konnten." Wiedmer betont jedoch, dass selbst geruchsneutrale Produkte nicht unbedingt unbedenklich seien. "Es gibt auch geruchslose Schadstoffe, wir haben bisher aber nur auf diese drei Chemikalien getestet."

Bewusst nennen die beiden Forscher keine Hersteller. "Wir wollten niemanden an den Pranger stellen, sondern zunächst einmal auf ein Problem hinweisen", sagt Wiedmer. Er empfiehlt, Spielzeuge bei vertrauenswürdigen Händlern zu kaufen, die europäischen Standards unterliegen. Auch wenn das nicht unbedingt vor unschönen Überraschungen wie dem schwer belasteten Spielball mit Erdmotiv schützt, würden hiesige Händler zumindest sporadisch durch Behörden geprüft. Vollkommen unkontrolliert sind die Waren von unbekannten Internetversendern, zum Beispiel aus China, sowie Spielzeuge, die Händler in Urlaubsorten am Strand verkaufen.

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