Therapie-Entscheidungen Patienten genesen schneller, wenn sie mitentscheiden

Es geht aber nicht darum, dass Ärzte ihre Patienten nur mal eben fragen. "Wenn man die Präferenzen der Patienten wirklich herausfinden will, dann ist das nicht so simpel", betonen Mulley, Trimble und Elwan.

Zunächst muss der Arzt dem Kranken klarmachen, dass er nicht einfach eine Behandlung anbieten wird. Er könnte sagen: "Wir sollten uns als Team zusammentun - ich als medizinischer Experte und Sie als der Experte für Ihr Leben." Dann sollte der Arzt die Behandlungsoptionen präsentieren und mit Daten unterfüttern. Wenn der Arzt sensibel ist, kann er aus den Reaktionen des Patienten dessen Vorlieben erschließen. Erst danach sollte der Patient eventuell mithilfe des Arztes entscheiden.

Der Kranke ist aber nicht zur Aktivität verdammt. Er kann sich auch vertrauensvoll in die Hände seines Arztes begeben. "Wenn der Patient sagt: ,Machen Sie das mal', dann ist das auch in Ordnung", sagt der Psychologe Martin Härter vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Initiator des Webauftritts "Patient als Partner".

Bislang zeigen erst einige wenige Studien, etwa an Asthma-Patienten, dass Kranke nach so einer gemeinsamen Therapieentscheidung auch besser genesen, sagt Härter. "Aber müssen wir das wirklich beweisen?" Den Patienten in die Behandlung seines eigenen Leids einzubinden, sei schlicht auch eine Frage der Ethik. "Es besteht ein Imperativ dazu."

Und doch hätte Härter gern mehr Studien, die die Heilkraft des Shared Decision Making belegen: "Damit könnten wir wahrscheinlich die vielen immer noch paternalistisch orientierten Kollegen überzeugen", sagt er. Nicht einmal 20 Prozent der Patienten würden derzeit nach den Regeln der Kunst in die Therapieentscheidung einbezogen. Ein kleiner Anteil ist so aufgeklärt und so gut informiert, dass er selbst entscheidet. "Aber zwei Drittel werden immer noch im klassischen Sinne behandelt", so Härter. "Dabei trauen sich oft nicht einmal die gebildeten Menschen aus der Mittelschicht, ihrem Arzt zu widersprechen oder ihn auch nur etwas zu fragen."