Tchibo-Angebot Gebisse vom Kaffeeröster

Tchibo vermittelt seit heute preiswerten Zahnersatz. Mediziner sind wenig begeistert. Doch was bedeutet das Angebot für die Patienten?

Von Berit Uhlmann

83 Euro statt 167 für ein Inlay, 120 statt 310 Euro für die Krone: Wer beim Zahnersatz sparen will, wird nun auch beim Kaffeeröster Tchibo fündig. Die "ZahnersatzCard" ist seit heute online und von 23. Juli an in den Verkaufsstellen des Unternehmens erhältlich. Wer sie beim Zahnarzt zückt, soll in den kommenden zwei Jahren preisgünstige Gebissteile erhalten - gefertigt auf den Philippinen und vermittelt über die Hamburger Dentalfima Novadent.

"Es gehört zu unserem Konzept, dass wir unseren Kunden regelmäßig etwas Überraschendes anbieten. Diesmal haben wir uns für Zahnersatz entschieden", begründet Tchibo das Angebot. Allerdings dürfte die Offerte in der Praxis weder so einfach noch so exklusiv sein, wie sie klingt. "Die Karte von Novadent ist nicht neu", sagt Guido Braun, Vizepräsident des Verbands Deutscher Zahntechniker-Innungen. Nicht einmal im Sortiment von Tchibo ist ein derartiges Angebot ein Novum. Die Firma bot 2010 eine Zahnzusatzversicherung von der Gothaer Krankenversicherung an.

Wer die neue Karte erwirbt, hat noch keine Garantie, von den Schnäppchen komplikationslos profitieren zu können. Nach Angaben des Kaffeerösters arbeiten derzeit etwa 1000 Zahnmediziner mit Novadent zusammen. Dass der eigene Zahnarzt dazugehört, kann niemand erwarten oder gar erzwingen. Die Mediziner haften für den Zahnersatz. Viele arbeiten deshalb nur mit Technikern zusammen, denen sie seit Jahren vertrauen.

Deshalb bietet Tchibo auch an, einen Zahnarzt zu vermitteln, der den Auslandszahnersatz garantiert einsetzt und hat dafür die Internetseite www.sparen-beim-zahnersatz.de aufgesetzt. Die aber erzürnt die Zahnmediziner.

Als "massive Einmischung" in das Vertrauensverhältnis von Arzt und Patient kritisiert die Kassenzahnärztliche Vereinigung Bayerns (KZVB) das Vermittlungsangebot. "Ich kann nur davor warnen, das teilweise über Jahrzehnte gewachsene Vertrauensverhältnis zu seinem Zahnarzt wegen ein paar Hundert Euro zu gefährden", warnt KZVB-Chef Janusz Rat. Der vertraute Zahnarzt kenne den Patienten und seine Vorerkrankungen und wisse daher am besten, welcher Zahnersatz zu ihm passe.