EU-Suchtbericht Jede Woche eine neue Droge

Europaweit tauchen immer mehr neue Rauschgifte auf. In diesem Jahr wurden bereits mehr als 50 bis dato unbekannte Drogen entdeckt. Ihre gesundheitlichen Gefahren sind kaum einzuschätzen.

Synthetische Drogen sind auf dem Vormarsch.

(Foto: dapd)

Die Anzahl neuer Drogen in Europa erreicht dieses Jahr Rekordhöhe. Mehr als 50 Stoffe seien bereits entdeckt worden, sagte Roland Simon von der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht am Donnerstag.

In allen Fällen handelte es sich um synthetische Stoffe. Simon erläuterte: "Das sind nicht völlig neue Substanzen, sondern Stoffe, die als Forschungschemikalien entwickelt wurden - aber nie entwickelt wurden zum menschlichen Konsum." Im vergangenen Jahr waren 49 Substanzen neu entdeckt worden. Ihre gesundheitlichen Risiken sind selbst für Fachleute schwer einzuschätzen, hieß es von Seiten der deutschen Drogen-Beobachtungsstelle.

Auch die Mitarbeiter von Suchthilfe-Einrichtungen haben zunehmend mit Konsumenten von synthetischen Drogen zu tun, wie aus dem aktuellen Bericht der deutschen Beobachtungsstelle hervorgeht. 15 Prozent aller Drogenkonsumenten, die 2011 in eine ambulante Behandlung kamen, hatten Stimulanzien wie Speed oder Ecstasy genommen. Zwei Jahre zuvor betrug ihr Anteil an den Erstbehandlungen nur zehn Prozent. Vor allem die Amphetamine (Speed) sind bundesweit immer stärker im Umlauf. In der Grenzregion zur Tschechischen Republik ist Crystal (Methamphetamin) zunehmend verbreitet.

Deutschland- wie auch europaweit ist weiterhin Cannabis die verbreitetste illegale Droge. Der Konsum beginnt oft schon im Teenager-Alter. So machten im vergangenen Jahr etwa fünf Prozent der 12- bis 17-Jährigen in Deutschland Erfahrungen mit Haschisch oder Marihuana. Diese Drogen sind zugleich die häufigste Ursache, weshalb sich Menschen erstmals in eine Suchtbehandlung begeben. "Das zeigt, dass Cannabis keineswegs eine harmlose Droge ist", erklärte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans (FDP). Besonders der Langzeitkonsum könne zu erheblichen gesundheitlichen Problemen sowie zur Abhängigkeit führen.

Insgesamt hat etwa ein Viertel der erwachsenen Deutschen Erfahrungen mit Drogen. Etwa fünf Prozent konsumierten innerhalb der vergangenen zwölf Monate illegale Substanzen, weniger als drei Prozent innerhalb der zurückliegenden 30 Tage.

Zugleich wurden im vergangenen Jahr insgesamt mehr als 60.000 Sucht-Behandlungen verzeichnet. Im ambulanten Bereich sind Cannabis und Opioide wie Heroin die häufigste Ursache für diese Behandlungen. Die meisten stationären Behandlungen gehen auf den Konsum von harten Drogen zurück.

Am Donnerstag wurden gleichzeitig die Jahresberichte der deutschen und der europäischen Beobachtungsstelle für Drogen veröffentlicht. Hier sind sie einsehbar.