Strahlenrisiko Krebsrate bei Flugpersonal erhöht

Wer häufig mit einem Flugzeug unterwegs ist, wie etwa Flugbegleiterinnen, hat ein höheres Risiko, an Krebs zu erkranken.

(Foto: dpa)
  • Über den Wolken ist nicht nur die Freiheit, sondern auch die Strahlenbelastung größer.
  • Wer sich ständig dieser Gefahr aussetzt, hat ein höheres Risiko, an Krebs zu erkranken.
  • Umweltmediziner aus Harvard zeigen im Fachmagazin Environmental Health, dass Flugbegleiter häufiger Tumore bekommen als Menschen, die nicht permanent in die Luft gehen.
Von Werner Bartens

George Clooney mag als Mann ebenso begehrt wie beneidet werden, seine Hauptrolle in "Up in the Air" sollte man sich indes nicht zum Vorbild nehmen. In dem Film aus dem Jahr 2009 spielt er einen Vielflieger, der unbedingt den seltenen Status eines "Frequent Flyer" mit zehn Millionen Flugmeilen erlangen will.

Aus gesundheitlichen Gründen ist das nicht erstrebenswert, denn über den Wolken ist nicht nur die Freiheit, sondern auch die Strahlenbelastung größer. Wer sich aus beruflichen Gründen ständig dieser Gefahr aussetzt, hat ein höheres Risiko, an Krebs zu erkranken. Umweltmediziner aus Harvard zeigen im Fachmagazin Environmental Health, dass Flugbegleiter häufiger Tumore bekommen als Menschen, die nicht permanent in die Luft gehen.

Möglich, dass sich die diversen Risiken addieren

Das Team um Eileen McNeely hatte die Gesundheitsdaten von mehr als 5000 Flugbegleitern ausgewertet und mit Gleichaltrigen verglichen, die beruflich am Boden bleiben. Dabei zeigte sich, dass unter dem weiblichen Flugpersonal 51 Prozent mehr Tumore, besonders Brustkrebs und Hautkrebs, auftraten. Obwohl der Unterschied signifikant war, wie es in der Fachsprache heißt, relativiert sich die Bedrohung ein wenig, betrachtet man die absoluten Verhältnisse: So erkrankten 3,4 Prozent der Flugbegleiterinnen an Brustkrebs, in der Vergleichsgruppe waren es hingegen 2,3 Prozent.

Erreger im Anflug

Steckt man sich an, wenn zwei Reihen weiter vorne ein Flugpassagier niest und hustet? Wissenschaftler haben ermittelt, ab welchem Abstand es kritisch wird. Von Hanno Charisius mehr ...

"Die Häufigkeit bestimmter Krebsarten ist bei Flugbegleitern erhöht", schreiben die Autoren. "Das ist beachtlich, denn von den Teilnehmern haben nur wenige geraucht, und es gab kaum Übergewichtige, was auf ein gesundheitsbewusstes Verhalten hinweist." Bisher sei diese Berufsgruppe von der medizinischen Forschung weitgehend vernachlässigt worden. Künftig gehe es darum, Gesundheit und Lebensqualität der Kabinen-Crews zu verbessern. Die Teilnehmer in der aktuellen Studie waren durchschnittlich 52 Jahre alt und seit 19 Jahren in ihrem Beruf tätig. Krebs entwickelt sich oft erst Jahrzehnte nach der karzinogenen Zellveränderung. Nicht ausgeschlossen also, dass die Häufigkeit von Tumorleiden in dieser Berufsgruppe noch ansteigt.

Verschiedene Risiken tragen zur erhöhten Krebshäufigkeit von Flugbegleitern bei. Dazu zählt nicht nur die ionisierende Strahlung aus dem Weltall, die je nach Route und Höhe variiert und bei einem Transatlantikflug der Dosis einer Röntgenaufnahme entsprechen kann. Wechselnde Schichten und wechselnde Zeitzonen mit unterbrochenen Schlafrhythmen sowie schlechte Luft in der Kabine sind der Gesundheit ebenfalls nicht zuträglich. In früheren Untersuchungen wurde spekuliert, dass der häufige Aufenthalt in der Sonne zwischen den Flügen die Wahrscheinlichkeit für Hautkrebs erhöht.

Möglich, dass sich die diversen Risiken addieren. Als gesichert gilt, dass Flugbegleiter unter allen Berufsgruppen der höchsten jährlichen Strahlendosis ausgesetzt sind; sie beträgt 3,07 Milli-Sievert im Vergleich zu etwa 0,59 Milli-Sievert bei Menschen, die im Büro arbeiten. Eine unbedenkliche Dosis gibt es nicht - trotzdem gilt, dass auch eine hohe Strahlenbelastung nicht automatisch zu Zellveränderungen führen muss, die Krebs auslösen. Umgekehrt kann dennoch erkranken, wer nur wenig Strahlen abbekommt und selten abhebt.

Kokolores beim Boarding

Die gängige Praxis, Passagiere gruppenweise in den Flieger zu lassen, ist ineffektiv und erhöht womöglich die Ansteckungsgefahr. Von Berit Uhlmann mehr...