Stiftung Warentest prüft stille Wasser Billiges Leitungswasser besser als Mineralwasser

Stilles Wasser enthält oft weniger Mineralstoffe als herkömmliches Leitungswasser, aufgrund gelockerter EU-Vorschriften. Zu diesem Ergebnis kommt ein Vergleich der Stiftung Warentest. Trotzdem sei stilles Wasser ein Trendgetränk mit steigenden Verkaufszahlen - obwohl Leitungswasser deutlich günstiger wäre.

Stilles Mineralwasser enthält laut Stiftung Warentest häufig weniger Mineralstoffe als herkömmliches Leitungswasser. Ein Vergleich von 29 Mineralwasser-Sorten habe gezeigt, dass fast zwei Drittel der Wässer nur sehr wenig oder wenig Mineralstoffe enthielten, berichtete die Stiftung in der aktuellen Ausgabe ihrer Zeitschrift Test. Dennoch sei stilles Wasser ein Trendgetränk. Alleine 2011 sei der Verkauf um 14 Prozent gewachsen. Jede zehnte Mineralwasser-Flasche enthalte heute stilles Wasser.

Im Test habe nur ein einziges stilles Wasser mit einem hohen Mineralstoff-Gehalt gepunktet. Dieses könne als einziges "einen nennenswerten Beitrag leisten, um Knochen mit Kalzium und Muskeln mit Magnesium zu versorgen". Jedoch enthalte selbst dieses Wasser nur wenig Natrium, was aber für Sportler wichtig sei, die den Mineralstoff in größeren Mengen durch das Schwitzen verlieren.

Auch 24 weitere Wässer enthielten nur wenig Natrium, berichtete die Zeitschrift. Wasser-Hersteller machten aus diesem Mangel eine Tugend und werben mit der Eigenschaft "natriumarm", was Menschen ansprechen solle, die auf ihren Blutdruck achteten.

Getestet wurden stille Mineralwasser-Sorten von Discountern wie auch von herkömmlichen Supermarkt-Ketten. Dabei seien die Preisunterschiede teils beträchtlich gewesen. Günstige Sorten hätten um die 13 Cent gekostet, teures Markenwasser teils über 50 Cent pro Liter. Zum Vergleich: Ein Liter Leitungswasser sei in Köln zum Beispiel für 0,003 Euro zu haben.

Der Grund dafür, dass heute in vielen stillen Mineralwässern nur wenige Mineralstoffe enthalten seien, seien EU-weit gültige Vorschriften. Diesen zufolge ist ein hoher Mineralgehalt - entgegen früherer deutscher Regelungen - nicht mehr notwendig, damit ein Wasser den Namen Mineralwasser tragen darf.

Keime und Kunststoff in manchen Flaschen

Weiterhin negativ aufgefallen sei in dem Test, dass bei mehr als einem Drittel der Wasser-Sorten Keime in den Flaschen gefunden wurden. Dies sei kein Problem für gesunde Menschen. Für ältere und kranke Menschen sollte das Wasser demnach aber abgekocht werden, ebenso für Babys. Rechtlich sei der Keimgehalt allerdings zulässig.

Rückläufig sei der Bestandteil an Acetaldehyd aus den Kunststoff-Flaschen, berichtete Stiftung Warentest. Die Substanz kann vom Plastik ins Wasser wandern und den Geschmack beeinträchtigen. Sechs der getesteten stillen Wässer enthielten demnach geringe Mengen der Substanz. Dies sei aber gesundheitlich und geschmacklich kein Problem gewesen.