Stiftung Warentest Die Wasserqualität steigt, aber man findet auch immer mehr Stoffe darin

Das Wasser in Deutschland ist also ungemein sauber - aber nicht völlig rein. Und viele Verbraucher stören sich selbst an homöopathischen Dosen von Chemie in Lebensmitteln und Wasser. Die Experten teilen diese Sicht jedoch nicht. Stiftung Warentest ordnet die Spuren aus Hahn und Flasche als "Spiegel unseres Lebensstils" im Testbericht ein. Wo Menschen mit Waschmittel waschen, Arzneimittel einnehmen und Süßstoffe konsumieren, müssten sie auch mit den Spuren dieser Ansprüche leben. Ähnliches gilt auch für Rückstände von Pestiziden. Günstige Lebensmittel im Überfluss gibt es ohne die entsprechende Landwirtschaft nicht. Das hinterlässt auch im Trinkwasser Spuren. Es ist allerdings nicht mehr ganz so einfach, die Öffentlichkeit von dieser Perspektive zu überzeugen.

"Wir haben den Menschen über viele Jahre vermittelt, dass im Trinkwasser rein gar nichts außer Wasser zu finden sein darf", sagt Ingrid Chorus, Leiterin der Abteilung für Trink- und Badebeckenwasserhygiene am Umweltbundesamt in Berlin. Tatsächlich habe man früher aber vieles nur deshalb nicht entdeckt, weil die Tests gar nicht empfindlich genug waren. Inzwischen hat der hohe Anspruch auch die Trinkwasserexperten am UBA eingeholt. Neue Analysemethoden erlauben es, heute selbst winzigste Mengen von Stoffen im Mikro- oder Nanogrammbereich in den Proben aufzuspüren. Man findet also immer etwas, und vor allem findet man mehr Verunreinigungen im Wasser als vor 20 Jahren.

"Trotzdem ist die Wasserqualität heute keineswegs schlechter - für einige Parameter wie Nitrat zeigen die Daten, dass es eher besser geworden ist", sagt Chorus. "Das Vorsorgeprinzip gebietet es dennoch, selbst die winzigsten Konzentrationen an vom Menschen eingetragenen Stoffen nach Möglichkeit zu reduzieren".

Überflüssiges im Überfluss

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Dass sich Stiftung Warentest jetzt dem Thema Wasser gewidmet hat, empfindet Chorus nicht als überflüssig. Die Kontrolle der Trinkwasserqualität obliegt in Deutschland sowohl den Wasserversorgern als auch den Ländern und ihren Gesundheitsämtern. Die Anzahl der Stoffe und Parameter, die laut Gesetz überprüft werden müssen, ist allerdings überschaubar. Neuere Stoffe wie Arzneimittel zählen nicht dazu. Eine stete Analytik der jeweiligen Trinkwassergüte nehmen die Wasserwerke ohnehin selbst vor. Bundesweite Tests im direkten Vergleich mit teurem Wasser aus dem Supermarkt finden in diesem Zusammenhang aber nicht statt.

Womöglich könnte der Wassercheck der Stiftung nun eine beeindruckende Entwicklung umkehren: Seit den 1970er Jahren hat sich die Pro-Kopf-Menge von gekauftem Mineralwasser mehr als verzehnfacht, von 12,5 Liter im Jahr 1970 auf gegenwärtig 147 Liter. Chorus hofft sehr, dass die Menschen wegen der Ergebnisse der aktuellen Analyse wieder häufiger den Hahn aufdrehen, als Wasserkisten zu schleppen. "Solange die Menschen Leitungswasser trinken, werden die Anforderungen an seine Qualität hoch bleiben", sagt Wasserexpertin Chorus. Sie wünscht sich, dass auch Politiker mit gutem Beispiel voranschreiten. "Karaffen statt Flaschen auf dem Kabinettstisch - das wäre doch was!"