Stiftung Organtransplantation Querelen um Neubesetzung

Inmitten des Transplantatations-Skandals sucht die Stiftung Organtransplantation händeringend einen neuen Vorstand. Im Ringen um die Neubesetzung legten bereits drei Mitglieder des Stiftungsrats ihre Sitze nieder.

Von Christina Berndt

SZ-Redakteurin Christina Berndt erklärt Wie es zum Organspende-Skandal kam

Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete als erste über den Organspende-Skandal. Wie es dazu kam - und weshalb Menschen, die für die Organspende sind, trotz der Machenschaften einiger Transplantationsmediziner den Organspendeausweis ausfüllen sollten.

(Video: Süddeutsche.de, Foto: dpa)

Deutschland sucht nicht nur Organspender, sondern auch eine neue Führung für die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO). Die DSO, die für die Koordinierung aller Organspenden in Deutschland zuständig ist, wird demnächst ohne Leitung sein, wenn sich nicht bald ein neuer Vorstand findet.

Schon im April 2012 war der kaufmännische DSO-Vorstand zurückgetreten, nachdem Vorwürfe wegen Mobbings, Misswirtschaft und Erfolglosigkeit in Sachen Organspende gegen ihn und den medizinischen Vorstand erhoben worden waren. Der medizinische Vorstand Günter Kirste wird altersbedingt Ende Januar 2013 ausscheiden. Doch wer soll in den krisengeschüttelten Zeiten der Transplantationsmedizin - in denen die Staatsanwaltschaft an drei Uniklinika wegen manipulierter Wartelisten nachforscht und die Spendenbereitschaft der Bevölkerung einbricht - der Stiftung vorstehen? Und wer will das?

Die Suche gestaltet sich zäh. Im Ringen um die Neubesetzung haben nun zudem drei der zehn Mitglieder des DSO-Stiftungsrats ihre Sitze niedergelegt, wie der Stiftungsratsvorsitzende Wolf Otto Bechstein von der Uniklinik Frankfurt der SZ bestätigt. Zu den Gründen äußerte sich Bechstein ebenso wenig wie die drei zurückgetretenen Mitglieder Klaus Wächter, Kurt Abram und Klaus Ulsenheimer. "Wir sind aber noch beschlussfähig", betonte Bechstein. Auch sei bereits ein neues Stiftungsratsmitglied nominiert worden: der Leichtathlet und Olympiasieger von 1980, Hartwig Gauder, dem selbst ein Spenderherz transplantiert wurde.

Als neuen DSO-Vorstand hatte der Stiftungsrat zunächst einen Münchner Chirurgen favorisiert, der sich in der Presse bereits als designierter medizinischer Vorstand vorgestellt hatte. Doch aus dem Ruf wurde nichts; Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) soll persönlich interveniert haben. Zwischenzeitlich ist der medizinische Direktor der Stiftung Eurotransplant, Axel Rahmel, gefragt worden, der als Wunschkandidat des Ministers galt, aber ablehnte. Das Gesundheitsministerium kommentierte die Angelegenheit ebenso wenig wie der Münchner Chirurg.

Es werde jetzt mit Hochdruck ein neuer Vorstand gesucht, betonte Bechstein. Als denkbar gilt auch, dass der Vertrag des bisherigen medizinischen Vorstands Günter Kirste verlängert wird, bis ein Nachfolger gefunden ist. Ein Sprecher des Bundesgesundheitsministers betonte allerdings, man sei nach den Querelen um die DSO "an einer personellen Neuausrichtung" interessiert.