Sport zum Abnehmen "Viel hilft nicht unbedingt viel"

Sportmediziner Joachim Latsch über den geeigneten Sport für Abnehmwillige, die Erfolgsaussichten von mehr Bewegung und wie man den Trainingseffekt durch die Ernährung verlängern kann.

Interview: Von Berit Uhlmann

Joachim Latsch ist seit 2017 Direktor der Carl Remigius Medical School und war zuvor Oberarzt am Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin an der Deutschen Sporthochschule in Köln.

Schwimmen, Laufen oder Radfahren gehören zu den Sportarten, die Untrainierten zum Einstieg empfohlen werden.

(Foto: Robert Haas)

SZ: Mit welcher Sportart nimmt man am besten ab?

Joachim Latsch: Es gibt nicht den Abnehm-Sport. Entscheidend ist eher, ob man sich seine Motivation über einen längeren Zeitraum erhält. Gerade für Anfänger empfiehlt es sich, extrem anstrengende Arten oder Wettkampfsport zunächst zu meiden. Beides kann demotivieren.

Günstiger sind Individualsportarten wie Nordic Walking, Jogging, Schwimmen oder Radfahren. Sehr stark übergewichtige Menschen können mit einem Krafttraining beginnen und - wenn sie sich fitter fühlen - zu bewegungsreicherem Training wie Laufen übergehen.

Wie oft sollte man trainieren?

Auch dafür gibt es kein pauschales Rezept. Nur den Rat: Viel hilft nicht unbedingt viel. Wenn sich der Couchpotato im Fitnessstudio anmeldet und vier mal die Woche zwei Stunden lang auspowert, hat er wahrscheinlich nach wenigen Wochen keine Lust mehr und geht nicht mehr hin, obwohl er weiter zahlen muss. Mit diesen Menschen verdienen die Fitnessstudios ihr Geld. Ratsamer ist, es behutsam anzugehen.

Aber Sport ist schon sehr wichtig für das Abnehmen - oder?

Tatsächlich ist der Effekt, den Sport auf den Gewichtsverlust hat, kleiner als gemeinhin angenommen. Denn durch Training wird Fett durch Muskelmasse ersetzt. Wer also nur auf die Waage schaut, wird unter Umständen enttäuscht. Besser ist es, den Gürtel im Blick zu haben. Wer ihn zwei bis drei Löcher enger schnallen kann, hat schon viel erreicht - über die schmalere Taille hinaus.

Was denn?

Er hat wahrscheinlich seine Leistungsfähigkeit gesteigert und die ist für seine Gesundheit von Bedeutung. Mittlerweile wissen wir, dass ein paar Kilo mehr auf der Waage nicht schlimm sind, solange man fit ist. Wer dünn, aber schlapp ist, hat weniger gute Prognosen, seine Gesundheit auf lange Sicht zu erhalten. Außerdem bewirkt Sport oft auch eine längerfristige Änderung des Lebensstils. Sportliche Menschen leben bewusster, achten mehr auf ihre Ernährung und Trinkgewohnheiten.

Macht Sport nicht auch mehr Hunger - und so den Trainingseffekt wieder zunichte?

Hunger macht nur dann einen Teil des Trainingseffekts zunichte, wenn man primär Fett abbauen will und dann nach dem Training kohlenhydratreich isst oder trinkt. Speisen und Getränke mit hohem glykämischen Index wie Cola, Weißbrot oder Süßigkeiten sollten deshalb gemieden werden. Sie unterbinden die Fettverbrennung. Wer auf sie verzichtet, kann die Fettverbrennung dagegen noch lange angekurbelt lassen.

Kann man durch Sport gezielt an speziellen Körperstellen abnehmen, beispielsweise das als besonders schädlich geltende Bauchfett wegbekommen?

Nur im Zuge des allgemeinen Fettverlustes. Aber gerade das tieferliegende so genannte abdominale Fett, das als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Krankheiten gilt, ist besonders stoffwechselaktiv. Das heißt, die Fettverbrennung greift hier gut und man hat reelle Chancen, es durch Sport zu vermindern.