Seuche in Westafrika Ebola-Epidemie könnte auch Ghana erreicht haben

Mitarbeiter von Gesundheitsorganisationen informieren Bewohner in betroffenen Regionen über Ebola.

(Foto: REUTERS)

Der weltweit schwerste Ausbruch von Ebola hat nun womöglich auch Ghana erreicht. Experten von Gesundheitsorganisationen befürchten eine monatelange Epidemie. Darum sollen nun Lokalpolitiker in afrikanischen Dörfern in die Pflicht genommen werden.

  • Erstmals Ebola-Verdachtsfall in Ghana
  • Epidemie könnte noch mehrere Monate andauern
  • WHO und "Ärzte ohne Grenzen" beschließen Maßnahmenpaket
  • Weltweit schwerster Ausbruch, Übergreifen auf andere Länder befürchtet
  • Vorsteher afrikanischer Dörfer sollen in die Pflicht genommen werden

Erstmals Ebola-Verdachtsfall in Ghana

Die schwere Ebola-Epidemie in Westafrika könnte jetzt auch Ghana erreicht haben. Ein US-Bürger mit Symptomen der Krankheit liege in einer Privatklinik in der Hauptstadt Accra in Quarantäne und werde untersucht, zitierte der britische Sender BBC eine Mitteilung des Gesundheitsministeriums. Die Bevölkerung wurde aufgefordert, Ruhe zu bewahren. Der Patient in Ghana soll in den vergangenen Wochen Guinea und Sierra Leone besucht haben. Die Mitarbeiter der Klinik wurden ebenfalls unter Quarantäne gestellt.

Ausbreitung von Ebola noch ungewiss

Die schwere Ebola-Epidemie in Westafrika wird nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wahrscheinlich noch "mehrere Monate" andauern. Es sei nicht eindeutig abzusehen, wie stark sich die Epidemie noch ausbreiten werde, sagte der WHO-Vertreter Keiji Fukuda bereits am vergangenen Donnerstag zum Abschluss einer zweitägigen Ebola-Konferenz in Ghanas Hauptstadt Accra. "Aber ich denke, wir werden mehrere Monate lang damit konfrontiert sein." Auch Marie-Christine Ferir von der Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" sagte, sie rechne mit mehreren Wochen oder Monaten bis zu einem Ende der Epidemie.

Aufklärung soll Seuche eindämmen

Die Behörden in Westafrika wollen die Ebola-Epidemie in der Region mit einer länderübergreifenden Strategie und mehreren Strategien so schnell wie möglich unter Kontrolle bringen. Darauf einigten sich zahlreiche afrikanische Gesundheitsminister und Experten nach der zweitägigen Krisensitzung in Accra. Sie teilten unter anderem mit: Die WHO werde ein "subregionales Kontrollzentrum" in Guinea eröffnen, das als Koordinationsplattform im Kampf gegen die Krankheit dienen soll und mit allen wichtigen Partnern zusammenarbeitet. Außerdem sollen ab sofort Politiker, angesehene Gemeindemitglieder und religiöse Anführer in Aufklärungskampagnen miteingebunden werden, um die Menschen in Westafrika über die Seuche aufzuklären - und ihnen die Angst vor den Ärzten zu nehmen. Experten sehen Aufklärung als eine der wichtigsten Maßnahmen, um das Virus einzudämmen.

Tödlicher Aberglaube

Sie verstecken Angehörige und fürchten sich vor Ärzten: Weil viele Westafrikaner Ebola als Fluch statt als Krankheit betrachten, kann sich das Virus ungehindert ausbreiten. Die Regierungen der betroffenen Staaten tragen kaum zur Aufklärung bei - im Gegenteil. Von Tobias Zick, Nairobi mehr ...

Patienten werden häufig vor Ärzten versteckt

Viele Menschen in Westafrika sind verunsichert, weil sie die Seuche nicht kennen. Sie misstrauen den Ärzten und verstecken Familienangehörige mit Ebola-Symptomen in ihren Häusern. Zudem werden weiterhin Beerdigungen durchgeführt, bei denen die Toten noch einmal gewaschen oder umarmt werden. Ebola wird durch den Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen, so dass dieses Verhalten ein großes Risiko darstellt.

Schlimmster Ausbruch von Ebola

Es handelt sich um den ersten bekannten Ebola-Ausbruch in Westafrika. Bisher trat die Seuche vor allem im Osten und im Zentrum des Kontinents auf. Das Virus war im März in Guinea erstmals registriert worden, kurze Zeit später wurden auch Fälle in Liberia und Sierra Leone bekannt. Bis heute sind mehr als 460 Menschen gestorben. Es ist damit der bisher weltweit schwerste bekannte Ausbruch der Krankheit. Symptome sind unter anderem Fieber und innere und äußere Blutungen. In bis zu 90 Prozent der Fälle verläuft Ebola tödlich. Bislang gibt es keine Medikamente gegen das Virus.