Schutzkleidung gegen Ebola "Extrem kräftezehrend"

Komplett eingehüllt soll der Körper vor den Viren geschützt werden. Doch zugleich ist das Arbeiten in der Schutzkleidung belastend.

(Foto: AP)

Wochenlang war Thomas Kratz in Sierra Leone, um Ebola-Kranke zu behandeln. Seine Berufskleidung ist der Schutzanzug. Darin zu arbeiten sei furchtbar, sagt der Berliner Arzt. Ein Protokoll seiner Erfahrungen.

Von Christina Berndt

Die Schutzanzüge, die Ärzte und Helfer bei der Behandlung hochinfektiöser Ebola-Patienten tragen, sind inzwischen fast täglich in den Medien zu sehen. Der Berliner Arzt Thomas Kratz, 38, weiß genau, wie es ist, in einem solchen Anzug Patienten zu behandeln. Sechs Wochen lang hat er im Sommer in Sierra Leone verbracht und versucht, die Kranken bestmöglich zu versorgen - so oft es ging, auch ohne den Anzug. Der SZ hat er von seinem schwierigen Verhältnis zu der Kunststoffhülle erzählt, die ihn zwar schützt, ihm aber zugleich ein empathisches ärztliches Handeln, wie er es sich wünschen würde, nahezu unmöglich macht.

"Insgesamt habe ich nun schon an 50 Tagen in so einem Ebola-Schutzanzug gearbeitet. Vor zwei Jahren im Kongo und in diesem Sommer in Sierra Leone. In dem Anzug zu arbeiten, ist eigentlich furchtbar. Ich weiß bis heute nicht, ob ich ihn hassen oder lieben soll. Vielleicht habe ich deshalb kein emotionales Verhältnis zu ihm entwickelt, sondern eher ein rationales. Ich weiß, dass es wichtig ist, ihn zu tragen. Dass es sonst gar nicht möglich wäre, die Patienten zu behandeln. Dass mich der Anzug davor bewahrt, selbst krank zu werden - unter der Bedingung, dass ich mich genau an die Regeln halte. Der Anzug schützt nur, wenn man ihn extrem korrekt benutzt.

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Allein das richtige Anziehen dauert schon fünf Minuten. Mindestens. Wenn man ungeübt ist, auch schon mal 15 Minuten. Und das Ausziehen dauert noch viel länger. Das ist die eigentlich risikoreiche Prozedur. Dafür muss man sich Zeit nehmen. Man muss Anzug und Handschuhe wirklich sehr sorgfältig abstreifen, auch wenn man das oft virenverseuchte Zeug am liebsten ganz schnell loswürde. Dabei muss man höllisch aufpassen, dass man immer nur die Innenseite des Anzugs berührt. Besonders schwierig wird es, wenn Körperflüssigkeiten von Patienten auf der Außenhülle sind. Blut sieht man noch gut, aber Speichel und Schweiß eben nicht. Die Tropfen können herunterlaufen, davor kann man sich besonders schlecht schützen. Auch die Handschuhe sind sehr gefährlich, mit denen hat man ja die Patienten angefasst. Man darf sie deshalb auf keinen Fall ins Gesicht bekommen, weil die Schleimhäute von Augen, Nase und Mund anfällig für Viren sind.

Wenn ich meine Ausrüstung abgestreift habe, wird der Großteil weggeschmissen. Sobald Anzug, Schutzhaube und Handschuhe desinfiziert sind, werden sie entsorgt. Zusammen kosten die ungefähr 20 Euro, allein der Anzug kostet 15 Euro pro Stück. Mehrmals verwendet werden dagegen Gummistiefel, Gummischürze und Schutzbrille. Die sieht so aus wie eine Skibrille. Vielleicht ist es sogar eine. Vor der Wiederverwendung werden diese Sachen mit konzentrierter Chlorlösung desinfiziert, das überleben die Viren nicht.