Risiken von Schmerzmitteln Entwarnung für Paracetamol

Weniger wirksam als andere Schmerzmittel und noch dazu gefährlich für die Leber: Immer wieder hatte es in den vergangenen Jahren Kritik an Paracetamol gegeben. Nun versucht das zuständige Bundesinstitut, die verunsicherten Patienten zu beruhigen.

Es ist das meistverkaufte Schmerzmittel in Deutschland. Umso beunruhigender, dass in den vergangenen Jahren eine Diskussion um seine Sicherheit entbrannt ist. Einige Experten hatten sogar gefordert, die Pillen nur noch auf Rezept abzugeben.

Nun hat das das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) die Forschungsliteratur gesichtet und ein Fazit gezogen: Wer Paracetamol in der empfohlenen Dosis einnimmt, hat nach gegenwärtigem Kenntnisstand kaum Nebenwirkungen zu fürchten. Die Einschätzungen im Einzelnen:

Wirkung bei Schmerzen: Neuen Metaanalysen zufolge wirkt Paracetamol vor allem bei Schmerzen durch Arthrose und Migräne, bei Rückenschmerzen, nach Zahnentfernungen und nach Operationen. Wörtlich heißt es: Die Wirksamkeit "scheint dabei vergleichbar oder wenig schwächer" als die anderer gängiger Schmerzmittel wie Aspirin, Ibuprofen, Naproxen und Diclofenac (sogenannte nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR)).

Wirkung bei Fieber: Paracetamol hilft nachweislich, Fieber zu senken. Allerdings scheint die Wirkung etwas später einzutreten als bei Ibuprofen, das bei Fieber ebenfalls häufig angewendet wird.

Nebenwirkungen auf die Leber: Erwachsene sollten nicht mehr als ein Gramm auf einmal und maximal vier Gramm pro Tag einnehmen. Halten sie sich an diese Anweisung, sind großen Übersichtsstudien zufolge keine Leberschäden zu erwarten.

Überschreiten Patienten allerdings diese Dosis, wird es gefährlich. Auch das BfArM räumt ein, was Kritiker immer wieder bemängelten: Der Spielraum bis zur Überdosis ist viel kleiner als bei anderen frei verkäuflichen Schmerzmitteln. Ab etwa zehn Gramm beginnt die akute lebertoxische Wirkung. Betroffene müssen dann ins Krankenhaus und können mit einem Gegenmittel behandelt werden. Im Jahr 2010 wurden in Deutschland 850 gesetzlich Versicherte so behandelt. Vier Menschen starben an den Folgen der Vergiftung.

Im gleichen Jahr schädigte eine Paracetamol-Überdosierung die Leber von sieben Menschen so stark, dass sie auf die Warteliste für eine Lebertransplantation aufgenommen wurden. Drei von ihnen erhielten ein Spenderorgan. Im internationalen Vergleich seien die ernsthaften Schäden eher gering, bilanziert das Institut. Dennoch bleibt ein Risiko. Um dieses zu minimieren sind seit 2009 nur noch solche Packungen im freien Verkauf, die maximal zehn Gramm enthalten.

Nebenwirkungen auf den Magen-Darm-Trakt: Das Risiko von Blutungen im Magen-Darm-Trakt ist nach Paracetamol-Einnahme nicht erhöht. In diesem Punkt ist das Mittel den anderen Tabletten überlegen. Vor allem bei Aspirin besteht die Gefahr von Magenblutungen.

Nebenwirkungen auf das Herz: In einer Studie zeigten Patienten, die fast täglich hohe Dosen Paracetamol einnahmen, ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Bei solcher Dosierung ist möglicherweise auch das Risiko für Bluthochdruck erhöht. Bei gelegentlicher Einnahme sind diese Nebenwirkungen nicht sicher belegt.

Nebenwirkungen in der Schwangerschaft: Paracetamol darf als einziges Analgetikum während der gesamten Schwangerschaft eingenommen werden. Diskutiert wird, ob die Einnahme des Mittels bei Kindern die Entwicklung von Asthma begünstigt. Studien kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) sieht den Zusammenhang allerdings nicht belegt.

Einige neuere Studien legten den Schluss nahe, dass Paracetamol in der Schwangerschaft zum Hodenhochstand beim Neugeborenen führt. Diese Anomalie kann Auswirkungen auf die spätere Fruchtbarkeit haben. Aber auch dieser Zusammenhang ist nicht zweifelsfrei nachgewiesen. Das Bundesinstitut rät dennoch, Paracetamol in der Schwangerschaft "nur bei dringender Notwendigkeit" anzuwenden.

Grundsätzlich sollte dieses wie alle andern Schmerzmittel auch immer so niedrig wie möglich dosiert und so kurz wie möglich angewendet werden.