Schmerzen Achtsamkeit lindert Rückenpein

Weiche Faktoren wie Entspannung und Achtsamkeit können Schmerzen lindern.

(Foto: Bloomberg)

Verhaltenstherapie und Meditation helfen besser gegen chronische Rückenschmerzen als Spritzen, Medikamente und  Physiotherapie. Dennoch sehen viele Ärzte die "weicheren" Methoden skeptisch.

Von Werner Bartens

Schmerzen sind vor allem Kopfsache. Das gilt besonders für die Pein im Kreuz, auch wenn etliche Ärzte und Patienten noch immer glauben, dass Rückenschmerzen ein mechanisches Problem sind, bei dem Spritzen, Physiotherapie, Schmerzmittel und im Zweifel sogar Operationen den Weg zur Linderung weisen. Die Belege dafür, dass es die Wahrnehmung des Leidens und der Umgang damit sind, werden allerdings immer zahlreicher.

Im Fachmagazin Journal of the American Medical Association (online) zeigen Ärzte aus den USA, dass bei chronischen Beschwerden im Lendenwirbelbereich nicht die konventionelle Behandlung am besten hilft. Die Patienten sprachen vielmehr besser auf "weichere" Verfahren wie Achtsamkeitsmeditation und Verhaltenstherapie an.

Ärzte um Daniel Cherkin hatten 342 Erwachsene mit chronischen Rückenschmerzen in drei Gruppen eingeteilt. Die eine wurde konventionell mit Spritzen, Schmerzmitteln und Physiotherapie behandelt. Die anderen beiden Gruppen nahmen entweder in acht zweistündigen Sitzungen an einer Verhaltenstherapie teil oder lernten durch Yoga und Meditation, besser mit ihrem Schmerz und ihren Gefühlen umzugehen und auf sich zu achten.

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Unter jenen Teilnehmern, die sich auf diese Weise intensiver mit ihren Beschwerden auseinandersetzten, verspürten 61 Prozent nach einem halben Jahr eine deutliche Verbesserung. Unter der Verhaltenstherapie stellte sich bei immerhin 58 Prozent der Teilnehmer eine signifikante Linderung ein, während dies mit der üblichen Therapie nur bei 44 Prozent der Probanden gelang.

Wurden die Teilnehmer danach gefragt, wie sehr sie die Beschwerden einschränkten, erbrachten Meditation und Verhaltenstherapie ebenfalls günstigere Ergebnisse. "Diese Erfolge sind umso bemerkenswerter, da jeweils nur gut die Hälfte der Probanden überhaupt sechs der acht Sitzungen besucht hat", so die Autoren.

"Wie diese Therapie genau wirkt und über welche Mechanismen, ist vor allem eine akademische Frage", schreiben Madhav Goyal und Jennifer Haythornthwaite von der Johns Hopkins University in Baltimore in einem begleitenden Kommentar. "Patienten mit chronischen Schmerzen wollen mit weniger Beschwerden leben, und deswegen müssen diese erfolgreichen Behandlungsformen für Körper und Geist leicht verfügbar sein."

Noch immer würden viele Ärzte diesen Therapieoptionen aber skeptisch gegenüber stehen. "Solche hochwertigen Studien liefern jedoch weitere Argumente dafür, Therapieverfahren für Leib und Seele zu gewährleisten", so die Autoren.

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