Schlafstörungen Wen Schlaflosigkeit am häufigsten plagt

US-Wissenschaftler haben mehr als 150.000 Menschen nach der Qualität ihres Schlafes befragt. Die Antworten bergen einige Überraschungen.

Von Christian Weber

Schlechter Schlaf gilt gemeinhin als eine fast schon natürliche Begleiterscheinung des Alters, so wie schlechte Zähne und nachlassende Sehschärfe. Doch dem widerspricht jetzt eine Studie, die ein Forscherteam um den Somnologen Michael Grandner von der University of Pennsylvania in Philadelphia im Fachmagazin Sleep publiziert hat (Bd. 35, S. 395, 2012). Demnach berichten die Menschen mit steigendem Alter von einem zunehmend besseren Schlaf.

Die Forscher analysierten die Daten von knapp 156.000 Amerikanern ab dem Alter von 18 Jahren, die in der weltweit größten telefonischen Gesundheitsbefragung mit standardisierten Fragebögen unter anderem auch nach ihrer Schlafqualität - etwa Problemen beim Ein- und Durchschlafen - und Tagesmüdigkeit befragt worden waren. Dabei wurden mögliche Einflussfaktoren wie sozioökonomischer Status, körperliche und seelische Gesundheit in der Statistik berücksichtigt.

Für die Forscher wenig überraschend zeigte sich, dass Frauen generell häufiger über Schlafstörungen und Müdigkeit klagten als Männer. Ebenso entspricht es der Studienlage, dass Gesundheitsprobleme und insbesondere Depressionen den Schlaf verschlechtern.

Völlig unerwartet waren aber die weiteren Ergebnisse: Am meisten klagten nämlich die jüngsten Teilnehmer der Studie (18 bis 24 Jahre) über Schlafstörungen, während sich die jeweils ältesten Gruppen (über 80 Jahre bei den Frauen, 70 bis 74 Jahre bei den Männern) am wenigsten beschwerten. Nur im mittleren Alter, vielleicht weil dann Kinder und Karriere besonders drücken, steigt die Quote bei beiden Geschlechtern für einige Jahre leicht an. Etwas anders verhält es sich bei der Müdigkeit: Zwar finden sich wiederum in der jüngsten Gruppe die meisten Beschwerden, doch ab dem Alter von 70 Jahren steigt die Klagequote bei Männern und Frauen stark an.

Die neuen Ergebnisse zwingen uns zu überdenken, was wir über den Schlaf alter Menschen wissen", sagt Grandner und fordert Konsequenzen. "Wenn man Faktoren wie Krankheit und Depression herausrechnet, sollten ältere Menschen über einen besseren Schlaf berichten. Wenn sie das nicht tun, dann sollten sie mit ihrem Arzt sprechen." Und umgekehrt sollten deshalb die Hausärzte Klagen über Schlafstörungen bei ihren älteren Patienten nicht als natürliche Begleiterscheinungen des Altersprozesses ignorieren, sondern als Warnzeichen verstehen.