Schlafmangel durch Schichtarbeit So kommen Sie gut durch die Nacht

Bleierne Müdigkeit, ein Hirn, das nicht mehr denken will, Schwindel und Tristesse: Wer glaubt, beliebig flexibel zu sein, irrt. Schichtarbeit kann heftige Folgen haben. Mit einigen Tricks lässt sie sich besser durchstehen.

Von Berit Uhlmann

Die Bahn, Flugunternehmen und Krankenhäuser sind die klassischen Schichtdienst-Betriebe. Doch zunehmen verlagen immer mehr Firmen von ihren Angestellten, auch zu ungewöhnlichen Zeiten zu arbeiten. Wer sich darauf einlässt, sollte sich auf einige Belastungen einstellen.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Randy Gardner blieb elf Tage lang ununterbrochen wach. Die gute Nachricht: Er überstand das Experiment, mit dem er 1964 einen Weltrekord aufstellte, ohne Probleme. Allerdings war sein Zustand während dieser Tage beklagenswert: Der junge Mann litt unter Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen, wahnhaften Vorstellungen und zunehmenden Konzentrationsstörungen. Am letzten Tag brach er einen Rechentest ab, weil er mittendrin vergessen hatte, worin die Aufgabe bestand.

Mit solchen Folgen muss niemand rechnen, der bei Fragen wie: "Sie haben doch nichts gegen gelegentlichen Schichtdienst?", vorschnell große Bereitschaft signalisiert. Doch auf einige Belastungen sollte er sich einstellen.

Am verträglichsten sind Abendschichten. Laut einer skandinavischen Untersuchung klagen in den späten Abendstunden nur fünf Prozent der Beschäftigten über heftige Müdigkeit. Dagegen wird jeder Vierte, der schon vor sechs Uhr seinen Dienst beginnt, und jeder zweite Nachtschichtarbeiter von starker Schläfrigkeit geplagt.

Das ist kein Wunder, denn egal für wie flexibel wir uns halten: Wir sind an einen mächtigen biologischen Rhythmus gekettet, der große Abweichungen schlecht toleriert. Immer wenn es dunkel wird, schüttet der Körper das Hormon Melatonin aus. Es macht zunehmend ruhig, schläfrig und schließlich zwischen drei und fünf Uhr, wenn sein Level am höchsten ist, todmüde.

Nicht selten bricht sich der Schlaf dann mit Macht Bann. In einer Umfrage der Pilotenvereinigung Cockpit gaben bis zu 50 Prozent aller Piloten an, schon einmal unbeabsichtigt eingenickt zu sein. 90 Prozent berichteten, dass ihnen aufgrund von Müdigkeit bereits Fehler unterlaufen sind. Wie sehr starker Schlafmangel die Leistung beeinträchtigt, zeigten Experimente schon in den 90er-Jahren: 17 Stunden ohne Schlaf versetzen den Menschen in einen Zustand, der einem Blutalkoholgehalt von 0,5 Promille entspricht. Nach 24 wachen Stunden fühlt sich der Mensch wie mit einem Wert von einem Promille.

Und oft fühlt sich der Schlafmangel an wie ein Kater. "Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, depressive Verstimmungen, Kopfschmerzen und Herz-Kreislauf-Beschwerden wie Schwindel oder Herzrasen können auftreten", sagt Christian Gravert, leitender Betriebsarzt bei der Deutschen Bahn. Doch es gibt einige Methoden und Tricks, um die schlimmsten Belastungen abzufedern.