Sauna stärkt das Herz Forschung mit Aufguss

Wer mehrmals wöchentlich in der Sauna schwitzt, hat eine höhere Lebenserwartung - zumindest in Finnland.

(Foto: Stephan Rumpf)

Finnische Forscher haben sich einem nationalen Kulturgut ihres Landes gewidmet, dem Saunieren. Und ihre Ergebnisse taugen dazu, regelmäßige Besuche in der Schwitzstube zu rechtfertigen: Saunagänge stärken demnach Herz und Kreislauf.

Von Werner Bartens

Diese Untersuchung muss aus Finnland kommen. Wo sonst, wenn nicht im Land der 100 000 Seen und mindestens so vielen Schwitzkammern, hätte man ein vitales Interesse daran, die Vor- und Nachteile des Saunagangs unter die Lupe zu nehmen. Dass die finnischen Forscher voreingenommen sind, darf man annehmen; aber gilt dies nicht auch für Erdnuss-Forschung aus Georgia oder Pizza-Studien aus Italien? Es überrascht jedenfalls kaum, dass regelmäßige Saunagänge, am besten mehrmals pro Woche, gesund für Herz und Kreislauf sind und die Menschen länger leben lassen (Jama Internal Medicine, online).

Forscher um Jari Laukkanen von der Universität von Ostfinnland in Kuopio hatten mehr als 2300 Männer im Alter zwischen 42 und 60 Jahren nach ihren Saunagewohnheiten befragt und fast 20 Jahre lang Todesfälle, Herzinfarkte und andere Herzkreislaufleiden dokumentiert. Im Vergleich zu den Männern, die nur einmal pro Woche eine Sauna aufsuchten - darunter macht es in Finnland wohl niemand -, hatten jene Herren, die sich vier- bis siebenmal in der Woche eine Auszeit zum Schwitzen nahmen, die wenigsten Herzprobleme. Wer es zwei- oder dreimal wöchentlich in die Sauna schaffte, litt ebenfalls seltener am Herzen.

Wenn ein Volk einer Tätigkeit so intensiv nachgeht wie die Finnen dem Saunieren, verwundert es nicht, dass auch ermittelt wurde, wie lange man am besten schwitzen soll. So hatten Männer, die länger als 19 Minuten pro Saunatag in der Schwitzhütte verweilten, die wenigsten Herzbeschwerden. Zwischen elf und 19 Minuten erwiesen sich ebenfalls als recht günstig für das Herz, unter elf Minuten war der Effekt am geringsten.

Die Saunafreunde werden seltener krank und leben länger

"Bei mäßigen Saunabesuchen steigt der Puls auf 100 Schläge in der Minute, bei intensiven Sitzungen geht er bis 150 rauf", sagt Laukkanen. "Das ist vergleichbar mit gering- bis mittelgradigem Ausdauersport und könnte die günstigen Auswirkungen auf das Herz erklären." Erfreut nimmt Rita Redberg die Ergebnisse zur Kenntnis. Oft habe sie ihren Patienten geraten, ihr Geld für etwas auszugeben, was Spaß macht, statt es für unnötige medizinische Tests zu verplempern. "Wir wissen nicht genau, warum Männer, die oft in die Sauna gehen, länger leben und seltener krank werden", sagt die Ärztin der University of California in San Francisco. "Vielleicht ist es die Hitze, vielleicht die Entspannung, vielleicht die Gemeinschaft mit Gleichgesinnten, vielleicht aber auch der Luxus, überhaupt so viel Zeit für die Sauna aufbringen zu können - auf jeden Fall ist es sinnvoll verbrachte Zeit."

Laukkanen nimmt die positiven Folgen des Saunierens mit nordischer Lakonie hin und schließt seinen Fachartikel mit der Feststellung: "Praktischerweise ist die finnische Bevölkerung ja daran gewohnt, mindestens einmal pro Woche in die Sauna zu gehen."