Reaktion auf Transplantations-Skandal AOK stoppt Versand von Organspendeausweisen

24 Millionen AOK-Versicherte sollten in Kürze den Organspendeausweis erhalten. Daraus wird nichts. Die AOK ist bereits die zweite Kasse, die derart auf den Transplantations-Skandal reagiert.

Es ist die Kernidee des neuen Transplantationsgesetzes: Die Krankenkassen sollen ihre Versicherten regelmäßig über ihrer Bereitschaft zur Organspende befragen und die Organspendeausweise gleich mitschicken. Ab 1. November tritt die Regelung in Kraft, die AOK wollte angesichts des Mangels an Organspendern schon im September mit der Werbung für mehr Spender beginnen. Dann kam der Organspende-Skandal.

Nun stoppt die AOK den geplanten Versand an ihre rund 24 Millionen Versicherten. Die Kasse bestätigte am Montag einen entsprechenden Bericht der Berliner Zeitung. Der Organspende-Skandal habe in der Bevölkerung zu großen Irritationen geführt. "Daher brauchen wir dringend eine Aufklärung der Vorwürfe, mehr Transparenz im Organspendeverfahren und eine strikte Kontrolle", hatte der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Jürgen Graalmann den Schritt begründet. Wann die Organspendeausweise nun tatsächlich verschickt werden, ist noch offen.

Zuvor hatte schon die Siemens-Betriebskrankenkasse (SBK) einen solchen Stopp angekündigt. Statt wie geplant im Oktober 2012 sollen die Ausweise nun frühestens Mitte bis Ende 2013 verschickt werden. "Wir können nach diesem Skandal nicht einfach zur Tagesordnung übergehen", teilte die Kasse mit, die nach eigenen Angaben eine Million Versicherte hat.