Studie zum Rauchen Schockbilder schrecken junge Nichtraucher ab

  • Befragt wurden etwa 6900 Schüler in den Klassenstufen fünf bis zehn. 80 Prozent der Befragten gab an, noch nie geraucht zu haben.
  • Von drei untersuchten Warnhinweisen - "Rauchen verursacht 9 von 10 Lungenkarzinomen", "Rauchen mindert Ihre Fruchtbarkeit" und "Kinder von Rauchern werden oft selbst zu Rauchern" - sprach der erste die Schüler emotional am stärksten an.
  • Insgesamt reagierten Nichtraucher über alle verschiedenen Warnhinweise hinweg emotional stärker als Raucher.

Geschwüre, schwarze Raucherlungen, schwerkranke Menschen: Schockbilder auf Zigarettenpackungen verstärken bei jugendlichen Nichtrauchern ihre Ablehnung zum Rauchen. Auf Jugendliche, die bereits rauchen, wirken sie hingegen deutlich weniger stark. Das zeigt eine Studie des Kieler Instituts für Therapie- und Gesundheitsforschung, die die Krankenkasse DAK in Auftrag gegeben hat. Befragt wurden etwa 6900 Schüler in den Klassenstufen fünf bis zehn. 80 Prozent der Befragten gab an, noch nie geraucht zu haben.

Die Wissenschaftler unterteilten die Schüler für die Untersuchung in zwei Gruppen. Schüler der ersten Gruppe bekamen drei verschiedene Schockbilder zu sehen und sollten daraufhin ihre Gefühle äußern, die die Bilder auslösten. Zudem wurden die Teilnehmer gefragt, wie neugierig sie sind, Zigaretten zu rauchen und wie sie Zigaretten an sich bewerten. Die Vergleichsgruppe wurde zuerst nach Neugier und Bewertung befragt, dann präsentierten die Forscher den Schülern Warnhinweise und Bilder. Die Ergebnisse wurden zusätzlich nach Rauchern und Nichtrauchern unterteilt.

"Unsere Studie zeigt, dass die Warnhinweise in beträchtlichem Maße negative Emotionen auslösen"

Von drei untersuchten Warnhinweisen - "Rauchen verursacht 9 von 10 Lungenkarzinomen", "Rauchen mindert Ihre Fruchtbarkeit" und "Kinder von Rauchern werden oft selbst zu Rauchern" - sprach der erste die Schüler emotional am stärksten an. Auf einer Skala von 1 (stimmt gar nicht) bis 4 (stimmt genau) kamen die Nichtraucher bei der Kategorie Angst auf 2,7, bei Ekel auf 3,4 und bei Traurigkeit auf 2,3.

Schockfotos sind eine Zumutung - für Nichtraucher

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Die Werte bei den Rauchern lagen mit 1,8 sowie 2,7 und 1,6 beträchtlich darunter - wie bei den anderen Warnhinweisen auch. Bei weniger als zehn Prozent der Raucher löste die Warnung vor Lungenkrebs Angst aus. Immerhin mehr als ein Drittel äußerte Ekel.

Insgesamt reagierten Nichtraucher über alle verschiedenen Warnhinweise hinweg emotional stärker als Raucher. DAK-Vorstandschef Andreas Storm sieht in dem Ergebnis die Bestätigung, dass Schockfotos einen präventiven Effekt haben: "Unsere Studie zeigt, dass die Warnhinweise in beträchtlichem Maße negative Emotionen auslösen", so Strom.

Zwar rauchen heute weniger Menschen als noch vor Jahren, deutschlandweit aber immer noch etwa 17 Millionen Menschen. Etwa jeder siebte Todesfall ist auf die Folgen des Rauchens zurückzuführen. Seit 2016 muss auch in Deutschland ein großer Teil der Fläche von Tabakverpackungen für warnende Bilder und passende Texte reserviert sein. Für Erwachsene ist allerdings umstritten, wie sinnvoll Schockfotos tatsächlich sind. Studien zeigen, dass Warnhinweise und Fotos eher Nichtraucher abschrecken, zur Zigarette zu greifen. Der Einfluss auf bekennende Raucher hingegen ist wissenschaftlich umstritten.