Psychotherapeuten finden Wie Sie schneller an einen Termin kommen

Die Praxen von Psychotherapeuten sind vielerorts hoffnungslos überlaufen. Durchschnittlich drei Monate müssen Patienten auf einen Termin warten. Was Kranke tun können, um die Wartezeit zu verkürzen.

Von Katrin Neubauer

"Im Moment habe ich nichts frei. Vielleicht in drei oder vier Monaten wieder. Wenden Sie sich doch bitte an andere Kollegen." Die Antworten auf Anfragen bei sechs weiteren Psychotherapeuten in Berlin und Brandenburg sind ähnlich. Auf die Schnelle ist kein Therapieplatz zu bekommen.

Durchschnittlich drei Monate müssen sich Patienten bundesweit gedulden, bis sie einen Ersttermin bei einem Psychotherapeuten erhalten. Insgesamt gibt es in Deutschland etwa 27 000 kassenärztlich zugelassene Psychotherapeuten. Demgegenüber stehen schätzungsweise drei bis vier Millionen Menschen mit einer Depression. "Die Zahl der Erkrankungen ist entgegen anders lautenden Berichten in den vergangenen 15 Jahren zwar nicht signifikant gestiegen, aber mehr Menschen nehmen inzwischen psychotherapeutische Hilfe in Anspruch", sagt Dietrich Munz, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK). So hat sich die Zahl der Patienten, die innerhalb eines Quartals beim Psychotherapeuten waren, laut BPtK zwischen 2004 und 2014 von 840 000 auf 1,25 Millionen erhöht. Die Bedarfsplanung für die Praxen stammt dagegen aus dem Jahr 1999 und wurde seither kaum angepasst.

Psychotherapeut ist ein geschützter Begriff

Psychotherapeuten sind entweder Mediziner mit einer entsprechenden Facharztausbildung oder Psychologen (in selteneren Fällen auch Pädagogen) mit einer staatlich anerkannten Zusatzausbildung. Nur diese Berufsgruppen dürfen die Bezeichnung Psychotherapeut tragen. Heilpraktiker gehören nicht dazu.

Psychologische Psychotherapeuten dürfen - anders als die ärztlichen Therapeuten - keine körperlichen Untersuchungen durchführen und keine Rezepte oder Krankschreibungen ausstellen.

Die meisten niedergelassenen Psychotherapeuten haben eine Kassenzulassung, das heißt, sie können Kassenpatienten behandeln und direkt mit den Kassen abrechnen. Psychotherapeuten ohne Kassenzulassung können eine Privatpraxis eröffnen und Privatpatienten behandeln. In Ausnahmefällen übernehmen die Kassen aber auch die Kosten für eine Behandlung in einer Privatpraxis - etwa, wenn kein anderer Therapeut Plätze frei hat und der Kranke nicht warten kann.

Um die Chance auf einen der raren Plätze zu erhöhen, empfiehlt die BPtK, mindestens drei bis fünf Psychotherapeuten anzurufen und sich auf deren Warteliste setzen zu lassen.

Psychotherapeuten mit Kassenzulassung findet man auf den Internetseiten der Kassenärztlichen Vereinigung des Bundeslandes. Mitunter betreiben die Vereinigungen auch eine Psychotherapieplatz-Vermittung, in Bayern zum Beispiel hier. Auch die BPtK bietet einen Suchdienst an. Mitunter kann auch ein Anruf bei der Krankenkasse nützlich sein, in dem man die Dringlichkeit noch einmal schildert. Viele Kassen wissen, wo es freie Plätze gibt oder haben einen Terminservice.

Finden Patienten in einer angemessenen Zeit keine Behandlung bei einem vertragsärztlichen Psychotherapeuten, können sie auch einen approbierten, also staatlich zugelassenen, Psychotherapeuten mit einer Privatpraxis kontaktieren. Der Paragraph 13 Abs. 3 Sozialgesetzbuch V erlaubt es, Kosten für eine selbst beschaffte notwendige Behandlung von der Kasse einzufordern, wenn diese die Leistung nicht rechtzeitig erbringen konnte. Eine solche Leistung kann eine Psychotherapie in einer Privatpraxis sein. Der Anspruch gilt gegenüber allen gesetzlichen Krankenkassen.