Pharma Pharmahersteller produziert nicht zugelassenen Ebola-Impfstoff

Eine Impfung gegen Ebola könnte das Virus besiegen. Doch die Zulassung solcher Medikamente ist schwierig.

(Foto: dpa)
  • Der Pharmakonzern MSD soll 300 000 Dosen eines noch nicht zugelassenen Ebola-Impfstoffs bereitstellen.
  • Das Unternehmen erhält dafür fünf Millionen Dollar von der Impfallianz Gavi.
Von Kai Kupferschmidt

Damit die Welt besser auf den nächsten Ebola-Ausbruch vorbereitet ist, sollen in den USA 300 000 Dosen eines experimentellen Impfstoffes gegen das tödliche Virus eingelagert werden. Das geben die Impfallianz Gavi und die US-Pharmafirma MSD Sharp & Dohme heute auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos bekannt, wie die Süddeutsche Zeitung vorab erfuhr.

Der Vertrag sieht vor, dass Gavi (eine öffentlich-private Partnerschaft, die bei Staaten und Stiftungen Milliarden einsammelt und damit Impfstoffe für arme Ländern finanziert) fünf Millionen Dollar an MSD Sharp & Dohme zahlt. Im Gegenzug stellt das Unternehmen ab Mai dieses Jahres 300 000 Dosen des experimentellen Impfstoffes bereit. Außerdem sagt das Unternehmen zu, bis Ende des Jahres 2017 eine Zulassung für den Impfstoff zu beantragen.

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Der Deal solle sicherstellen, dass weiter an dem Impfstoff gegen Ebola gearbeitet wird, sagt Seth Berkley, der Geschäftsführer von Gavi. In den vergangenen 40 Jahren hat es weniger als zwei Dutzend Ebolaausbrüche gegeben. Sie ereigneten sich in einigen der ärmsten Länder der Welt und betrafen meist nur ein paar Dutzend Menschen. Darum gebe es wenig wirtschaftlichen Anreiz, einen Impfstoff zu entwickeln, sagt Berkley. "Wir wollten sicherstellen, dass dieser Impfstoff weiter vorangetrieben wird und dass ausreichend Dosen hergestellt werden, damit auch in der Zwischenzeit bis zu einer Zulassung Impfstoff vorhanden ist."

Ein Hoffnungsschimmer

Der Impfstoff VSV-EBOV war der eine Hoffnungsschimmer im größten Ebolaausbruch aller Zeiten. Er basiert auf dem Vesicular stomatitis virus (VSV), in das das Gen für ein Ebola-Eiweiß eingefügt wurde. Während Tests vielversprechender Medikamente entweder scheiterten oder keine eindeutigen Ergebnisse lieferten, bewährte sich der Impfstoff in einer Studie in Guinea. Forscher schätzen, dass der Impfstoff die Teilnehmer der Studie mit einer Sicherheit von 75 bis 100 Prozent vor Ebola schützt.

Die Studie allein dürfte aber nicht reichen, um den Impfstoff zuzulassen. Dafür sind weitere Sicherheitstests und Tierversuche nötig. Sollte es in dieser Zeit zu einem neuen Ausbruch kommen, könnten die 300 000 Dosen, die MSD bis Mai dieses Jahres herstellen will, eingesetzt werden, sagt Berkley. "Die Dosen werden in der Fabrik in den USA gelagert und können genutzt werden, sobald die Weltgesundheitsorganisation einen Notfall erklärt", sagt Berkley.

"Sie können die Leute nicht einfach aufreihen und jedem eine Impfung geben"

Der Impfstoff wird zurzeit auch in Sierra Leone eingesetzt, um eine erneute Ausbreitung des Virus zu verhindern. Nur wenige Stunden nachdem die WHO vergangene Woche das Ende des Ebolaausbruchs verkündet hatte, musste Sierra Leone einen neuen Fall melden. Eine 22-jährige Studentin sei an dem Virus gestorben. Menschen, die mit der Frau Kontakt hatten, soll nun eine Impfung angeboten werden, sagt Marie-Paule Kieny, stellvertretende Chefin der WHO.

Da der Impfstoff noch nicht zugelassen ist, sei das Vorgehen sehr umständlich. "Sie können die Leute nicht einfach aufreihen und jedem eine Impfung geben", sagt Kieny. "Sie brauchen ein Studienprotokoll, jeder Teilnehmer muss einzeln aufgeklärt werden und dann eine Einverständniserklärung unterzeichnen." Deshalb sei es langfristig unbedingt erforderlich, dass der Impfstoff zugelassen werde.

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