Parkinson Antipsychotika erhöhen Sterberisiko

Eine Parkinson-Ekrankung kann mit Halluzinationen und wahnhaftem Erleben einhergehen. Die Medikamente, die diese Symptome lindern sollen, sind offenbar gefährlicher als gedacht.

Von Astrid Viciano

Die Pillen sollen Psychosen lindern, bringen jedoch manchen Patienten den Tod. Amerikanische Psychiater und Neurologen berichten im Fachjournal JAMA Neurology, dass Antipsychotika das Sterberisiko von Parkinsonerkrankten mindestens verdoppeln. Mit Medikamenten wie Haloperidol steigt es sogar auf das Fünffache. Und das in den ersten sechs Monaten nach Beginn der Therapie. "Dies ist die erste große Studie, die diesen Zusammenhang bei Parkinson untersucht hat", sagt Richard Dodel, kommissarischer Leiter der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Marburg. Und die erneut zeigt, wie problematisch die Anwendung von Antipsychotika sein kann.

Im Jahr 2005 und 2008 warnten die amerikanische wie auch die europäische Arzneimittelsicherheitsbehörde bereits davor, Antipsychotika bei Demenzpatienten einzusetzen, etwa zur Behandlung von Begleitsymptomen wie Unruhe, Aggressionen oder Wahnvorstellungen. Studien hatten nämlich ergeben, dass die Medikamente das Risiko für zerebrovaskuläre Komplikationen und das Sterberisiko erhöhen. Dann zeigten weitere Untersuchungen, dass sich alle Menschen höheren Alters vor den Pillen zumindest in Acht nehmen sollten.

Und das gilt nun insbesondere für Parkinsonpatienten. Mehr als 200 000 Menschen leiden in Deutschland unter der Erkrankung. Ihnen mangelt es am Botenstoff Dopamin in Teilen des Mittelhirns, den es mit Medikamenten auszugleichen gilt. Manchmal schießt die Behandlung jedoch über das Ziel hinaus. Dopamin liegt plötzlich im Überfluss vor; akustische wie optische Halluzinationen, sogar wahnhafte Ängste können die Folge sein. Diese schweren Nebenwirkungen sollen Antipsychotika wieder lindern. "Doch müssen Ärzte nach einigen Wochen unbedingt prüfen, ob sie diese Medikamente wieder absetzen können", empfiehlt der Neurologe Dodel.

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