Organspende-Skandal Operation ohne Bonus

Aufgrund des Organspende-Skandals an einer Göttinger Klinik wurde dort die Prämie für Transplantationen gestrichen. Bislang war die Höhe von Ärzte-Gehältern an die Zahl dieser Operationen gekoppelt.

Von Christina Berndt

Als Folge des Organspende-Skandals wird die Höhe von Ärzte-Gehältern an der Göttinger Universitätsklinik ab sofort nicht mehr an die Zahl der Transplantationen gekoppelt. Der Vorstand habe damit Konsequenzen aus der Affäre um einen früheren Oberarzt gezogen, erklärte ein Sprecher am Dienstag.

Der Arzt soll durch Manipulationen von Krankenakten dafür gesorgt haben, dass seine Patienten auf der Warteliste nach oben rutschten und dadurch früher Spenderlebern erhielten. Der Arzt bestritt dem Klinikum gegenüber diese Vorwürfe. Für eine öffentliche Stellungnahme war er nicht zu erreichen.

Der leitende Transplantationsmediziner habe einen Vertrag mit einer Leistungskomponente gehabt, bestätigte Sprecher Stefan Weller erneut. Details könne er nicht nennen. Nach SZ-Informationen erhielt der Arzt 1500 Euro pro verpflanzter Leber extra, sobald er eine Mindestzahl von Lebertransplantationen erfüllt hatte. Binnen kurzer Zeit steigerte er die Zahl der Lebertransplantationen in Göttingen von wenigen Fällen auf 50 pro Jahr.

Anreizverträge gibt es an deutschen Universitätskliniken häufig, sie sind aber nicht die Regel. An der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) als größter deutscher Transplantationsklinik habe es solche Verträge nie gegeben, sagte deren Sprecher der Deutschen Presseagentur.

Der Vorsitzende der Ständigen Kommission Organtransplantation, Hans Lilie, begrüßte im Gespräch mit der SZ, dass Göttingen die Anreize für Transplantationen nun abschafft: "Für die Behandlung von Patienten eine Art Kopfgeld zu zahlen, ist absurd."