Neue Regelungen zur Organspende Jeder soll über seinen Tod nachdenken

Der Bundestag hat eine umfassende Reform der Organspende beschlossen. Jeder Deutsche soll in Zukunft regelmäßig mit der Frage konfrontiert werden, ob er nach dem Tod seine Organe freigibt. Wie die Spende funktioniert - ein Überblick.

Von Berit Uhlmann

Etwa 1000 Menschen sterben jedes Jahr in Deutschland, weil sie nicht rechtzeitig ein Spenderorgan bekommen. Werden die Deutschen zu dem Thema befragt, offenbart sich eine paradoxe Situation: Etwa drei Viertel zeigen sich prinzipiell zur Organspende bereit, aber weniger als ein Viertel hat einen Organspendeausweis. Die Neuregelung des Transplantationsgesetzes soll nun durch sanften Druck mehr Menschen dazu bringen, ihre Spendenbereitschaft zu dokumentieren. Das Gesetz sieht vor, dass alle Bürger über 16 Jahre künftig regelmäßig zu ihrer Organspende-Bereitschaft befragt werden.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Organspende.

Wer fragt künftig welche Informationen ab?

Die gesetzlichen wie die privaten Krankenkassen werden künftig Versicherte ab 16 Jahren schriftlich fragen, ob sie nach ihrem Hirntod Organe spenden wollen. Die Angeschriebenen können mit "Ja", "Nein" oder "Ich weiß nicht" antworten. Außerdem können sie wie bisher auch angeben, ob nur bestimmte Organe entnommen oder von der Spende ausgeschlossen werden sollen. Schon in diesem Jahr sollen die Briefe erstmals, 2014 zum zweiten Mal verschickt werden. Danach werden die Befragungen vorausichtlich im Fünf-Jahres-Turnus vorgenommen werden.

Muss ich den Brief beantworten?

Es gibt keinen Zwang, den Brief zu beantworten. Er darf ungelesen in den Papierkorb geworfen werden.

Wo werden meine Antworten hinterlegt?

Wer sich für die Organspende entscheidet, vermerkt diese Information auf einem Organspendeausweis, den er immer bei sich tragen sollte. Die Ausweise werden künftig mit den Schreiben der Krankenkassen verschickt. Auch Bürger- oder Passämter sollen künftig Organspendeausweise ausgeben. Für alle anderen ändert sich vorerst nichts.

Sobald es technisch möglich ist, soll die Spendenbereitschaft auf der elektronischen Gesundheitskarte gespeichert werden können. Dies ist frühestens 2014 der Fall und noch nicht im Detail geregelt.

Werden die Angehörigen nach dem Tod in die Entscheidung über eine Organspende eingebunden?

Sofern ein Mensch seinen Willen zur Organspende zweifelsfrei dokumentiert hat, werden die Angehörigen lediglich über das weitere Verfahren informiert. Hat ein Verstorbener keine Aussage getroffen, müssen die Familienmitglieder versuchen, seinen mutmaßlichen Willen zu ermitteln. Die Erfahrung zeigt, dass Angehörige damit oft überfordert sind.

Wie andere Länder an Spenderorgane kommen

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