Neue Erklärung für Schlafstörungen Die dunkle Seite der Schlaflosigkeit

Manche Menschen kommen trotz Schlaftherapien nachts nicht zur Ruhe. Vielleicht, so mutmaßen Forscher nun, steckt eine unerkannte Phobie dahinter.

Von Christina Berndt

Wer schlecht schläft, hat womöglich einfach Angst vor der Dunkelheit. Das folgern kanadische Psychologen aus einer Studie, die sie soeben auf der "Sleep 2012" in Boston vorgestellt haben, der Jahrestagung des Verbands der Schlafgesellschaften.

Den Forschern von der Ryerson University war aufgefallen, dass viele Menschen mit Schlafstörungen negativ über Dunkelheit sprechen. Mit einem geschickten Ansatz haben sie deshalb die Angst im Schlaf gemessen: Sie ließen 93 Personen in dunkler oder heller Umgebung nächtigen - und störten sie dabei durch plötzlichen Krach.

Im Hellen reagierten die schlechten und die guten Schläfer in der gleichen Weise auf den Schreck. Im Dunkeln aber gewöhnten sich die guten Schläfer an die Geräusche, während die schlechten Schläfer immer wieder erschreckten, wie sich etwa an ihrem Blinzeln zeigte.

Womöglich hätten viele Menschen eine unerkannte Phobie vor der Dunkelheit, sagt Studienleiterin Colleen Carney.

Der Schlafexperte Colin Shapiro von der Universität Toronto findet die Studie "klein, aber fein". Das sei ein überzeugendes Konzept. Für Patienten, die auf die üblichen Schlaftherapien nicht ansprechen, sollten neue Wege erprobt werden, fordert Carney. "Bisher fragen wir nicht nach Ängsten. Wir testen und behandeln sie nicht. Dabei könnten wir es." Mit kognitiver Verhaltenstherapie etwa.

Stattdessen werde schlaflosen Menschen geraten, das Bett zu verlassen. Dann gehen sie in der Regel in einen beleuchteten Raum. "Wir regen sie also zu Vermeidungsverhalten an", sagt Carney. "Das ist genau der Weg, wie Phobien genährt statt besiegt werden."