Nebenwirkung von Säureblockern Magenschutz mit Schaden

Sie werden verschrieben, um Magengeschwüren vorzubeugen und Sodbrennen zu lindern. Doch nun entdecken Mediziner eine Nebenwirkung der Säureblocker wie Omeprazol und Pantoprazol: Sie können einen Mangel von Vitamin B12 auslösen.

Von Werner Bartens

Eigentlich sollen die Mittel schützen, doch langfristig ist der Schaden womöglich größer als der Nutzen. Populäre Säureblocker wie Omeprazol, Pantoprazol oder Esomeprazol, die als "Magenschutz" zu den umsatzstärksten Medikamenten weltweit gehören, können Vitamin-B12-Mangel auslösen, wenn sie für lange Zeit genommen werden (Jama, online).

Vitamin-B12-Mangel zeigt sich in Erschöpfung, Blutarmut, Konzentrationsstörungen, aber auch kalten Händen und Füßen. Jüngst haben Forscher Hinweise dafür gefunden, dass ein Mangel des Vitamins, das sich in Fleisch, Fisch, Eiern und Milchprodukten findet, Demenzerkrankungen und Psychosen begünstigen könnte.

Das Ärzteteam um Jameson Lam und Douglas Corley aus Oakland wollte den Ursachen von Vitamin-B12-Mangel auf die Spur kommen. Zwölf Prozent der mehr als 25.000 Patienten, deren Vitaminspiegel zu niedrig waren, nahmen regelmäßig Säureblocker, in der Fachwelt als Protonenpumpenhemmer bezeichnet. "Wer die Mittel länger als zwei Jahre einnahm, erhöhte sein Risiko für Vitamin-B12-Mangel um 65 Prozent", sagt Corley. "Je höher die Dosis, desto höher das Risiko."

Geringer war das Risiko bei jenen Patienten, die Histaminrezeptorblocker wie Ranitidin oder Cimetidin einnahmen. Der Anteil dieser Mittel unter den Magenmedikamenten ist jedoch gering und seit Jahren rückläufig.

Fraglicher Nutzen beim Reizmagen

Die Protonenpumpenhemmer erzielen hingegen weltweit einen jährlichen Umsatz von mehr als 26 Milliarden Euro, Tendenz steigend. In Deutschland rangieren mehrere dieser Mittel unter den Top 30 der meistverkauften Medikamente. Sie werden zur Behandlung und Vorbeugung von Magen- wie Zwölffingerdarmgeschwüren verschrieben sowie bei der Refluxkrankheit, die sich in Sodbrennen und Übersäuerungsgefühl äußert.

"Vermutlich werden die Mittel auch bei dem häufigen Reizmagensyndrom eingesetzt, obgleich für diese Indikation die Evidenz nahezu fehlt", schreiben die Autoren des Arzneiverordnungsreports 2013. Sie haben mehr als 2,9 Milliarden verordnete Tagesdosen allein in Deutschland für das Jahr 2012 verzeichnet.

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"Zwar nimmt die Refluxkrankheit in den Industrienationen zu, aber sicher nicht um das Vierfache in den letzten zehn Jahren, um diesen kontinuierlichen Anstieg der Verordnung zu erklären." Die Autoren sind sich einig, dass die Mittel hilfreich für manche Patienten sind. Doch sollten sie angesichts der möglichen Nebenwirkungen nicht jedem verordnet werden, der über Sodbrennen klagt und ab und zu sauer aufstößt.