Missbrauch von Ritalin Der Erfolg ist nicht garantiert

Dennoch ist die Leistungssteigerung nicht immer und nicht für jeden garantiert. "Ritalin hilft nur dort, wo man nur seinen Kopf anstrengen soll, etwa zum Auswendiglernen, nicht aber in kreativen oder musischen Fächern", sagt der Hirnforscher. Und: Es kann auch passieren, dass jemand nach der Ritalin-Einnahme gar nichts spürt. "Die Wirkung wird umso geringer, je weniger ich in meiner Aufmerksamkeit durch innere Impulse abgelenkt bin", sagt Hüther. "Wenn ich lernen will und es mir gutgeht, bewirkt es nichts."

Wenn man Ritalin zerstampft und schnupft oder sich injiziert, tritt sogar die gegenteilige Wirkung ein: "Wenn ich Methylphenidat in hoher Konzentration ganz schnell ins Hirn einflute, wird die Dopaminfreisetzung stimuliert, ich verfolge jeden Impuls, den ich verspüre."

Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen

Studenten, die Ritalin geschluckt haben, um damit zu lernen, schreiben in ihren Berichten von Appetitlosigkeit und Aggressivität, dass sie keine Neugier und weniger Emotionen verspüren. Der Beipackzettel enthält eine lange Liste an "unerwünschten Wirkungen", von Schlaflosigkeit, Nervosität, Reizbarkeit, Kopfschmerzen und Schwindel bis hin zu Depression, Angst, Suizidgedanken, plötzlichem Herztod, Herzinfarkt und taktilen Halluzinationen.

Die Nebenwirkungen sind für Menschen mit und ohne ADHS die gleichen. "Insgesamt beobachten wir jedoch in der klinischen Praxis wenig Nebenwirkungen. Die meisten vertragen es gut, das ist das Problem: Es schreckt nicht ab, man ist verführt, es weiter zu nehmen", sagt Claus Normann, Oberarzt an der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie an der Freiburger Universitätsklinik.

Am Ende aber bleibt es Missbrauch, wenn Studenten "Vernunftdrogen" wie Ritalin nehmen. Gerald Hüther findet es beunruhigend, dass viele Studenten das Gefühl haben, nur "gedopt" den Anforderungen zu genügen. Jede Form der Selbstmanipulation Gesunder mithilfe von Medikamenten sei ungünstig, ob mit Viagra, Haschisch oder Ritalin. "Das ist jedes Mal eine Veränderung der Prozesse, die normalerweise im Gehirn oder im Körper ablaufen", sagt er und schlägt eine ganz einfache Alternative vor: "Man müsste das lernen, worauf man Lust hat."

Mehr zum Thema Ritalin und ADHS erfahren Sie in unserem Ratgeber.