Marathon-Läufer Kein erhöhtes Risiko für Herzstillstand

Marathon-Läufe gelten als eine besondere Herausforderung für den Körper. Mediziner haben nun untersucht, wie groß die Gefahr eines Herzstillstands hier im Vergleich zu anderen Sportarten ist - mit überraschendem Ergebnis.

Von Werner Bartens

Der erste Marathonläufer litt unter einer Vorschädigung des Herzens, war nicht genug trainiert oder hatte keinen guten Kardiologen. Sonst wäre er kaum 490 v. Chr. in Athen tot zusammengebrochen, nachdem er den Sieg über die Perser verkündet hatte. Zu diesem Schluss muss man angesichts der Auswertungen amerikanischer Ärzte kommen. Im New England Journal of Medicine (online) vom heutigen Donnerstag berichten sie davon, dass die Risiken für einen Herzstillstand bei einem Marathon oder Halb-Marathon nicht erhöht sind.

Herzstillstand kommt bei Marathon-Läufern in der Regel nur vor, wenn ihr Herzmuskel bereits krank ist.

(Foto: AFP)

Die Kardiologen um Aaron Baggish von der Harvard University hatten alle Fälle ausgewertet, bei denen Teilnehmer aller Marathon-Veranstaltungen in den USA zwischen den Jahren 2000 und 2010 Herzprobleme bekamen. Von den elf Millionen Läufern erlitten 59 während oder kurz nach dem Rennen einen Herzstillstand, 42 davon endeten tödlich.

Die Mehrzahl von ihnen litt an einer krankhaften Verdickung des Herzmuskels, der häufigsten Ursache für einen plötzlichen Herztod bei jungen Sportlern. Bisher war dieses Leiden bei älteren Läufern, wie sie an Marathon-Veranstaltungen teilnehmen, nicht als größeres Problem bekannt. Bei den anderen Athleten mit Herzstillstand war ebenfalls der Pumpmuskel vorgeschädigt.

Nach allgemeiner Vorstellung ist das Risiko für einen Herzstillstand während des Marathons hoch, die Medien berichten ja ausführlich über jeden Zwischenfall", sagt Kardiologe Baggish. "Wir haben in dieser großen, gründlichen Studie aber gezeigt, dass die Gefahr genauso klein oder geringer ist als bei anderen Sportarten, inklusive Freizeitsport."

Dass die Teilnahme am Marathon zumeist sicher ist und gut vertragen wird, wie Baggish resümiert, hatten Sportärzte jüngst in der Deutschen Zeitschrift für Sportmedizin festgestellt (Bd. 9, S. 293, 2011).

Mediziner um Jürgen Scharhag von der Uniklinik Heidelberg kamen zu dem Schluss, dass ein gesundes, trainiertes Herz beim Marathon nicht geschädigt wird und "Ausdauersportler nicht früher sterben als andere Sportler".

Der Anstieg kardialer Marker im Blut wie auch die in Ultraschall und Kernspin zu beobachtende Funktionseinschränkung der Herzmuskeln sei vorübergehend und nicht krankhaft. Um etwaige Risiken zu minimieren, sollten sich Breitensportler, die ihr Pensum steigern wollen und ältere Sportler aber untersuchen lassen, bevor sie die Marathon-Vorbereitung aufnehmen.