Lese-Rechtschreib-Schwäche Hilfe für Legastheniker

Es gibt viele Methoden, aber nur wenige, die nützen. Münchner Forscher haben ausgewertet, wie eine Lese-Rechtschreib-Schwäche am effektivsten behandelt werden kann. Entscheidend für den Erfolg ist ein häufig unterschätzter Faktor: die Zeit.

Von Werner Bartens

Für die Legastheniebehandlung braucht es in erster Linie Geduld.

Die Kinder werden oft verspottet, sie gelten als minderbegabt oder zu faul. Dabei trifft die Legasthenie zwischen fünf und sieben Prozent der Bevölkerung und hat nichts mit der allgemeinen Intelligenz zu tun - auch Hochbegabte können an Lese-Rechtschreib-Schwäche leiden. So vielfältig die Erklärungsversuche sind, so unterschiedlich die Behandlungsansätze.

Ein Team um Gerd Schulte-Körne, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie an der LMU München, hat in einer großen Meta-Analyse ausgewertet, welche Therapien helfen. Im Fachmagazin Plos One (online) zeigen die Wissenschaftler, dass ein gezieltes Training der Wortleseflüssigkeit, das auf einer Durchgliederung der einzelnen Silben basiert, die größten Aussichten auf Erfolg hat.

Andere Behandlungsverfahren, darunter etwa auch farbige Kontaktlinsen zur Verbesserung der Lesefähigkeit oder leistungssteigernde Medikamente, wirkten sich hingegen nicht vorteilhaft auf die Legasthenie aus.

"Nur wenige Methoden helfen den Kindern wirklich", sagt Katharina Galuschka von der LMU, die Erstautorin der Studie. "Vor allem sehr basale Prozesse der Laut-Buchstaben-Zuordnung und umgekehrt müssen in der Therapie systematisch geübt werden." Dabei wird zunächst gelernt, die einzelnen Laute und Silben zu unterscheiden und den entsprechenden Schriftbildern zuzuordnen. Erst nach und nach kommt die Eingliederung und Erkennung der Zeichen und Laute in Worten und Sätzen hinzu.

Ein Ergebnis der Untersuchung ist auch, dass längere Förderung zu besseren Erfolgen führt als eine Kurzzeitintervention. "Das mag wenig überraschen, aber es bedeutet eben auch, dass Kompaktkurse oder Blockseminare nicht so viel bringen wie eine kontinuierliche Unterstützung", sagt Schulte-Körne. Eine Stunde wöchentlich über ein halbes bis ein Jahr sei die empfohlene Mindestförderdauer.