Tumore Warum sich Krebs so schnell nicht besiegen lässt

Beau Biden (r.), der Sohn des berühmten US-Politikers Joe Biden (l.) starb an einem Hirntumor.

(Foto: Pablo Martinez Monsivais/AP)

In den USA rufen Politiker wieder einmal den Kampf gegen den Krebs aus. Realistisch sind ihre Versprechungen kaum - sie verkennen das Wesen bösartiger Tumore.

Analyse von Werner Bartens

Anfangs litt er nur unter Kopfschmerzen und Benommenheit. Die Ärzte vermuteten einen leichten Schlaganfall. Ungewöhnlich für einen 41-Jährigen, kommt aber vor. Drei Jahre später musste der Mann mit ähnlichen Beschwerden wieder ins Krankenhaus. Diesmal diagnostizierten die Ärzte einen bösartigen Hirntumor. Im Mai 2015 ist Beau Biden seinem Krebsleiden erlegen, er wurde gerade mal 46 Jahre alt.

Die Trauer und der Schmerz über den Verlust seines Sohnes mögen dazu beigetragen haben, dass Joe Biden dem Krebs entschiedener denn je den Kampf angesagt hat. Der Vizepräsident der USA forderte kürzlich "eine nationale Anstrengung, um den Krebs, so wie wir ihn kennen, zu besiegen". In Verhandlungen mit den Kongressführern der Republikaner hat Biden durchgesetzt, dass der Etat für das National Cancer Institute, das zentrale Krebsforschungsinstitut der USA, um 264 Millionen Dollar erhöht wird. "Das ist die größte Unterstützung, die unsere Krebsforscher innerhalb der letzten Dekade bekommen haben", sagte Präsident Obama gerade in seiner Rede zur Lage der Nation.

Das rhetorische Arsenal im Kampf gegen den Krebs wird gewaltig aufgerüstet. Wieder mal. Joe Biden sagt, dass "Amerika Krebs heilen kann", wenn es einen "neuen Raketenstart" (new moonshot) hinlegt. Die Leitung des Kontrollzentrums übertrug Obama in seiner State-of-the-Union-Rede Joe Biden. Und unter großem Applaus fügte der Präsident hinzu: "Für unsere Liebsten, die wir verloren haben, und für die Familien, die wir retten können - lasst uns Amerika zu dem Land machen, das den Krebs ein für allemal besiegt."

Starke Worte und wirkmächtige Bilder aus Kriegsrhetorik und Raumfahrt - schon steigt der Etat

Starke Worte statt Demut. Für große Ankündigungen braucht es gute Geschichten und wirkmächtige Bilder. Das war schon beim "Krieg gegen den Krebs" so, den Richard Nixon im Jahre 1971 unter Anspielung auf die Eroberung des Weltraums und den Ausbau von Kernenergie und Nuklearstreitkräften ausrief. Innerhalb von 25 Jahren sollte ein Heilmittel gegen Krebs gefunden werden, so die Ankündigung des Präsidenten damals. Ähnliche Anstrengungen wie "zur Spaltung des Atoms und zur Landung auf dem Mond" forderte Nixon von den Krebsforschern, auf dass die USA "nicht nur die reichste, sondern auch die gesündeste Nation der Welt" würden.

Sogleich wurde das Budget für das National Cancer Institute um 100 Millionen Dollar erhöht, doch bekanntlich ist das Vorhaben einer kompletten Heilung von Krebs gescheitert, auch wenn viele kleine Erfolge dazu beigetragen haben, dass sich die Überlebenszeit mit etlichen Tumoren verlängert hat und besonders kindliche Leukämien und Hodenkrebs erfreuliche Heilungsraten aufweisen. Aber insgesamt, man kann das so deutlich sagen, ist Krebs längst nicht besiegt. Man wünscht den Appellen von Obama und Biden zwar schnellsten Erfolg. Realistisch sind sie aber nicht. Im Gegenteil, derartige Ankündigungen führen in die Irre. Sie verkennen schlicht das Wesen des Krebses.

Krebs ist nicht eine Krankheit, Krebs ist ganz viele. Klar, auch Diabetes und Herzinfarkt können sich bei jedem Menschen auf unterschiedliche Weise äußern. Aber das ist hier nicht gemeint. Krebs ist strukturell bei jedem anders. Bösartige Tumore können in all den Hunderten Geweben und Organbestandteilen wuchern, aus denen der Körper besteht. Jede Zelle kann entarten und ist damit potenzieller Ausgangspunkt für einen Tumor.

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