Krankenkassenstudie Depression im Callcenter

Nord-Süd-Gefälle der Depressionen: Die Fehltage nach Bundesländern.

(Foto: Techniker Krankenkasse)
  • Berufstätige werden immer länger wegen Depressionen krankgeschrieben. Laut einer Krankenkassenstudie nahmen die Fehltage seit 2000 um fast 70 Prozent zu.
  • Besonders lange krank waren Beschäftigte in Callcentern und Altenheimen.
  • Die Krankschreibungen und Verordnungen von Antidepressiva variieren stark von Ort zu Ort.

Depressionen verursachen immer längere Fehlzeiten. Einer aktuellen Studie der Techniker-Krankenkasse (TK) zufolge nahm die Zahl der Fehltage zwischen 2000 und 2013 um fast 70 Prozent zu. 64 Tage lang sind Betroffene im Durchschnitt nicht arbeitsfähig. Die Krankenkasse DAK meldete kurz zuvor, die Zahl der Fehltage aufgrund von Depressionen habe sich innerhalb von zehn Jahren verdoppelt.

Callcenter-Angestellte überdurchschnittlich betroffen

Besonders lang waren der TK-Studie zufolge die Fehlzeiten unter den Beschäftigten in Callcentern. Jeder Mitarbeiter war 2013 durchschnittlich 2,8 Tage lang wegen einer Depression krankgeschrieben. Ähnlich der Wert von Altenpflegern: Ein Pfleger fiel durchschnittlich für 2,5 Tage aus. Zum Vergleich: Im Bundesdurchschnitt war jeder Erwerbstätige einen Tag pro Jahr wegen einer Depression nicht arbeitsfähig.

In welchen Berufsgruppen die Beschäftigten am längsten krank waren.

In Kulmbach sind die Fehlzeiten am kürzesten

Die Fehlzeiten variierten auch von Ort zu Ort. Während in Merzig-Wadern im Saarland jeder Einwohner 1,7 Tage pro Jahr wegen einer Depression nicht zur Arbeit gehen konnte, waren es im oberfränkischen Kulmbach nur 0,3 Tage. Auffällig ist, dass die Raten der verordneten Antidepressiva nicht mit den Krankschreibungen korrelierten. Obwohl die Kulmbacher 70 Prozent weniger krankgeschrieben waren als der Bundesdurchschnitt, bekamen 5,5 Prozent der Erwerbstätigen Antidepressiva verschrieben - und lagen damit nur knapp unter dem Mittelwert von 5,97. Birkenfeld in Rheinland-Pfalz liegt trotz unterdurchschnittlicher Fehlzeiten (minus 48 Prozent) bei den Antidepressiva 20 Prozent über dem deutschlandweiten Schnitt. Bundesweit nahmen die Verordnungen seit dem Jahr 2000 um ein Drittel zu.

Schwere Depressionen sind keine Alltags-Diagnosen

Auch wenn aus all den Zahlen ein gewaltiger Trend zu sprechen scheint: Eine schwere Depression mit langer Krankschreibung ist keine sehr häufige Diagnose: Nur 1,6 Prozent aller TK-Versicherten wurden 2013 wegen einer Depression krankgeschrieben. Zwar ist es gut möglich, dass viele Depressionen übersehen werden oder sich hinter anderen Diagnosen wie Schlafstörungen oder diversen Schmerzen verbergen. Dennoch lässt sich in großen epidemiologischen Studien kein genereller Anstieg psychischer Erkrankungen feststellen. Zugenommen hat wohl eher der offene Umgang mit der Erkrankung. Kranke schildern ihre Symptome ehrlicher, Ärzte schreiben weniger Verlegenheitsdiagnosen.