Krankenhaus bei Bremen Kritiker mahnen schon länger: Die Hirntoddiagnostik ist unsicher

Der Fall belegt erneut, was Kritiker seit Langem anmahnen: Die Hirntoddiagnostik ist in Deutschland nicht sicher genug. Ärzte sind nicht hinreichend darin ausgebildet, wie sie den Ausfall der Hirnfunktionen bei einem Patienten korrekt zu bestimmen haben. So kommt es immer wieder zu Fehlern.

Im März 2014 hatten drei medizinische Fachgesellschaften nach SZ-Berichten, die mehrere Fälle falscher Hirntodfeststellungen in den Jahren 2011 bis 2013 bekannt gemacht hatten, gefordert, die Anforderungen an die Untersucher zu erhöhen. "Überprüfen sollten das Fachärzte, die auch speziell für dieses Organ ausgebildet sind, und nicht etwa Kardiologen oder Nephrologen", sagte Cornelius Weiller, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Neurologie und Direktor der Neurologischen Universitätsklinik in Freiburg. "Es sollte jemand machen, der viel vom Gehirn versteht."

Bislang wird in den Richtlinien nur "eine mehrjährige Erfahrung in der Intensivbehandlung von Patienten mit schweren Hirnschädigungen" verlangt. Zwei solche Ärzte müssen unabhängig voneinander den Hirntod feststellen, bevor ein Totenschein ausgestellt werden darf und der Patient Organspender werden kann. Einen Hirntoten müssen diese Ärzte zuvor nie gesehen haben. Sie müssen noch nicht einmal bei einer solchen Diagnose dabei gewesen sein.

Anlässlich des aktuellen Falls aus Norddeutschland erneuert auch der Neurochirurg Christoph Goetz, der Chefarzt an einer Privatklinik in Hamburg-Harburg ist, seine Forderung nach einer besseren Ausbildung von Ärzten in diesem Bereich: "Gerade bei dieser sensiblen Diagnose ist mehr Sorgfalt nötig", sagt Goetz. "Der Hirntod ist eine ausgesprochen sichere Diagnose - aber eben nur, wenn er auch ordnungsgemäß bestimmt wird."

Goetz hatte Ende März 2014 gemeinsam mit anderen Fachleuten, die langjährige Erfahrung in der Hirntoddiagnostik haben, einen offenen Brief an die BÄK geschrieben und darin strengere Richtlinien für die Bestimmung des Hirntods und eine höhere Qualifikation der Untersucher verlangt: "Die spendebereiten Menschen haben Anspruch auf die höchstmögliche Sicherheit", schrieben die Mediziner. "Derzeit ist diese Sicherheit nicht ausreichend."

Eine Antwort erhielten sie nie. Die BÄK betonte dagegen stets, die Hirntoddiagnostik sei sicher genug. Ihres Wissens seien hierzulande noch nie einem Lebenden Organe entnommen worden. An der Aktualisierung der Richtlinien für die Feststellung des Hirntods arbeitet der Wissenschaftliche Beirat der BÄK nun schon seit Jahren.