Kaffee und Gesundheit Lob der Bohne

Kaffe macht offenbar mehr als munter.

(Foto: REUTERS)

Lange Zeit wurde der Kaffee verfemt. Jetzt entdecken Mediziner, dass das Getränk wohl die Herzgefäße vor Verkalkung schützt. Und das ist nicht der einzige Vorteil.

Von Werner Bartens

Ein Kaffee im richtigen Moment ist eines der wichtigsten Schmiermittel für ein gelungenes Sozialleben. Ohne die morgendliche Anfangsdosis Koffein wäre so mancher Zeitgenosse am Frühstückstisch nicht zu ertragen. Und im Berufsleben hält die Kaffeepause nicht nur den Blutkreislauf, sondern auch Klatsch und Tratsch in Schwung und befeuert die Illusion, durch das Heißgetränk auf sprühende Ideen zu kommen.

Dennoch wurden und werden dem Bohnenextrakt allerlei Risiken für Leib und Seele angedichtet. "C-A-F-F-E-E, trink nicht so viel Caffee", warnt ein Kinderlied - "schwächt die Nerven, macht dich blass und krank", sind demnach die drohenden Folgen. Dabei finden Wissenschaftler in jüngster Zeit immer mehr Belege dafür, wie Kaffee die Gesundheit fördert.

Ärzte und Epidemiologen aus Südkorea zeigen in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins Heart (online), dass moderater Kaffeekonsum gut für Herz und Kreislauf ist und offenbar vor Gefäßverkalkung schützt. Wer drei bis fünf Tassen am Tag zu sich nimmt, so das Fazit der Autoren, weist die geringsten Ablagerungen in den Arterien auf.

Die Wissenschaftler aus Seoul hatten mehr als 25 000 gesunde Erwachsene nach deren Gewohnheiten befragt und alle ein bis zwei Jahre die Kalkablagerungen in ihren Herzkranzgefäßen erfasst. Viele Koreaner gehen regelmäßig zum Arzt, um sich gründlich untersuchen zu lassen. Der Kalkanteil in den Koronararterien ist ein Maß dafür, wie schnell die Kranzgefäße vorzeitig zu verstopfen drohen und ein Infarkt bevorsteht.

Bei der Mehrzahl der Probanden mit einem Durchschnittsalter von 41 Jahren fanden sich noch keine Kalkschichten in den Koronarien. Unter denen, die davon betroffen waren, zeigten sich die stärksten Kalkschichten bei jenen Teilnehmern, die entweder weniger als eine oder mehr als fünf Tassen täglich zu sich nahmen.

Wer ein bis drei Tassen trank, hatte weniger Kalk in den Kranzgefäßen; am wenigstens fand sich jedoch bei jenen, die auf drei bis fünf Tassen täglich kamen. "Es gibt offenbar eine U-förmige Beziehung zwischen Kaffeekonsum und Verkalkung", so die Forscher. "Das Risiko für einen Verschluss der Arterien ist bei jenen erhöht, die gar keinen oder besonders viel Kaffee trinken."

Die Wissenschaftler können nicht kausal begründen, warum Kaffee die Adern geschmeidig halten könnte. Es gibt zwar Hinweise darauf, dass die als Endothel bezeichnete Gefäßinnenhaut durch Inhaltsstoffe des Kaffees elastischer bleibt, günstige Auswirkungen auf andere Risikofaktoren könnten aber auch den positiven Gefäß-Effekt erklären. So konnten Forscher zeigen, dass Kaffee einer Diabetes-Neigung entgegenwirkt und die Insulinempfindlichkeit der Zellen verbessert. Dies trägt dazu bei, dass der im Blut zirkulierende Zucker besser und schneller verstoffwechselt wird. Die Adern von Diabetikern verhärten schneller.