Insektenabwehr Auf dem Weg zu neuem Mücken-Graus

Sanfte Anti-Mücken-Mittel sind rar. US-Wissenschaftler haben nun vier erfolgversprechende Substanzen gefunden. Drei von ihnen sollten verträglich sein: Sie sind bereits als Lebensmittel-Zusatzstoffe zugelassen.

Es greift Kunststoffe an, kostet relativ viel Geld und ist ein bisschen toxisch, sodass Schwangere und Kleinkinder es nicht anwenden sollten. Aber Diethyltoluamid, besser bekannt als DEET, gilt seit 65 Jahren als eines der wenigen wirklich effektiven Insektenabwehrmittel, sodass etwa Tropenreisende fast immer entsprechende Präparate einpacken, um sich vor gefährlichen Moskitos zu schützen.

Dies könnte sich in Zukunft ändern, dank der Forschungsergebnisse, die ein Team um den Entomologen Anandasankar Ray von der University of California, Riverside, vorstellten (Nature, online): Die Wissenschaftler konnten erstmals die Geruchsrezeptoren und die zugehörigen Neuronen identifizieren, über die DEET bei den Insekten wirkt. Zugleich stellten sie drei neue Abwehrmittel vor.

In ihren Experimenten arbeiteten die Forscher mit Fruchtfliegen (Drosophila melanogaster), die gentechnisch so verändert waren, dass jene Neuronen grün fluoreszieren, die von DEET aktiviert wurden. Auf diese Weise zeigte sich, dass die sogenannte Ir40a-Region in den Antennen der Tiere bewirkt, dass sie vor DEET flüchten. Diese Einsicht wiederum ermöglichte es den Forschern, ganz gezielt nach anderen Wirkstoffen zu suchen, die an den gleichen Rezeptor andocken.

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Mit diesem Wissen und computergestützten, neuartigen Methoden der chemischen Informatik wurden dann insgesamt eine halbe Million Substanzen gescreent. Nachdem der Algorithmus 200 Kandidaten vorgeschlagen hatte, fanden die Studienautoren schließlich vier Substanzen, die sich in weiteren Versuchen als starke Abwehrmittel bei Stechmücken erwiesen.

Mehr noch: Drei dieser Substanzen waren bereits von der amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) als Lebensmittel-Zusatzstoffe zugelassen. Von ihnen ist also nicht zu erwarten, dass sie so wie DEET Kunststoffe beschädigen oder menschliche Schleimhäute gefährden. Womöglich kann man bei der weiteren Entwicklung sogar auf die sonst üblichen teuren und aufwendigen toxikologischen Untersuchungen verzichten.

"Wirklich ermutigend ist dabei, dass man einige dieser Komponenten möglicherweise zu erträglichen Kosten in großen Mengen produzieren kann", sagt denn auch Studienautor Anandasankar Ray. Dies ist eine gute Nachricht vor allem in jenen armen tropischen Ländern, wo die Menschen durch potenziell tödliche, von Stechmücken übertragene Krankheiten wie Malaria, Dengue oder Gelbfieber bedroht werden.